Regen

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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

"Natürlich meine Lunge", murmelte sie leise. Das war ja logisch. Da gab es nur ein kleines Problem. Ihre Rippe lag zu schief, als dass sie einfach so zusammenwachsen durfte. Dummerweise fingen die Knochen schon wieder an zusammen zu wachsen, so dass sie sich die Rippe erst einmal wieder brechen musste. Zudem konnte sie keine Betäubung einsetzen, da sie sich noch heilen musste. Das würde weh tun und davor hatte sie Angst.

Lächelnd sah sie ihn an. "Das ist lieb von dir, dass du bei mir bleibst", meinte sie etwas deutlicher. Das mochte jetzt etwas seltsam klingen, doch sie freute sich wirklich darüber. Dass sie noch vor dem Unfall Streit gehabt hatten, blendete sie erst einfach einmal aus. "Und deine Hilfe nehme ich gerne an." Sie lächelte schief. "Naja, ich bin ja auch darauf angewiesen. Aber ich wäre wirklich froh, wenn du die Reste der Suppe aufwärmen könntest. Ich habe riesen Hunger."
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Forschend musterte er Lia. Wenn sie wußte, was sie heilen sollte und wenn sie es konnte, wo lag dann das Problem? "Kann es sein, dass du das ein bißchen vor dir herschiebst? Irgendwann mußt du da durch und ja, es wird ziemlich weh tun", bestätigte er. Darken winkte ab, als die Heilerin lächelte und meinte es wäre schön, dass er bei ihr bliebe.
"Würd mich ja eh nur verlaufen. Außerdem muss ich schließlich aufpassen, dass du keinen Unsinn anstellst." Er grinste schief, vielleicht konnte er sie ja irgendwie von ihren Ängsten ablenken.
Die Dea al Mon bat ihn, die Suppe nochmal aufzuwärmen, was Darken dann auch sofort tat, er hatte auch ein bißchen Hunger. Währenddessen fragte er sich, was sie noch den ganzen Tag über tun sollten. Lia wäre nach der Heilung sicher wieder erschöpft.

"Es ist erst morgens, wenn ich mich nicht täusche. Was essen wir später?", überlegte er laut und blickte Lia an. "Soll ich nach draußen und... ich weiß nicht, irgendetwas fangen?" Nicht, dass er dies jemals gemacht hatte, aber irgendetwas mußten sie ja essen. Zwar waren noch Kartoffeln und etwas Gemüse da, doch nach der anstrengenden Heilung brauchte Lia sicher etwas mehr zu essen. Er rührte die Suppe um, wartete bis sie wieder richtig heiß war und gab der Dea al Mon das meiste auf den Teller. Wieder legte er ihr das Brett auf den Schoß und tat dann den Teller mit dem Löffel darauf. "Möchtest du noch etwas zu trinken?", fragte er nach. Oh ja, im aufmerksamen Bedienen und Verwöhnen war er klasse, schließlich war ihm das jahrelang eingetrichtert worden Wünsche von anderen zu erkennen noch bevor sie diese aussprachen. Darken goss noch etwas Wasser in die Gläser. "Und wenn du gegessen und dich ausgeruht hast... fühlst du dich dann stark genug für die Heilung? Es wird schlimmer je länger du wartest."
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Ertappt blickte sie nach unten, spielte verlegen mit ihren Fingern, als er sie fragte, ob sie etwas vor sich hinschiebe. Und wie sie das tat. Allerdings musste sie dann sein schiefes Grinsen erwidern. Das musste er wohl wirklich. Dann sah sie ihn aber überrascht an.
"Du hast schon gelernt, Fallen zu stellen?" fragte sie ihn neugierig. "Obwohl, bei dem Wetter wirst du wohl kein Glück haben. Soweit ich mich erinnere, hatte es am Fuss des Baumes einige Wurzeln gesehen. Hatte es in den Schränken kein Trockenfleisch gegeben? Na ja, sonst werden wir uns einfach etwas auf Diät setzen müssen."

Aber Minan hatte Recht. Irgendwann würde ihnen das Essen ausgehen und je länger sie wartete, desto wahrscheinlich würde der Fall eintreffen. Ärgerlich schnaubte sie auf und begann umständlich aus ihrem Kleid zu schlüpfen.
"Ich muss nicht erst essen und mich ausruhen, ich kann es jetzt genauso gut tun", grummelte sie stärker, als es ihr eigentlich zumute war. "Sonst wird mir nur schlecht. Aber vorher noch etwas zu trinken wäre gut. Vielen Dank." Schon fast etwas panisch zupfte sie sie den Verband von ihren Rippen. Er würde sie nur einengen und ablenken.
Anschliessend betastete sie ihre Rippen, fand gleich darauf die gebrochene Stelle und atmete tief durch. Nachdem sie eine Weile mit geschlossenen Augen da gesessen hatte, öffnete sie sie wieder und sah ihn bedrückt an. "Ich schaffe es einfach nicht", meinte sie entschuldigend. "Ich sollte vielleicht doch einfach den Knöcheln heilen und so versuchen in die Stadt zu gelangen."
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Fallen stellen? Wovon redete sie? Er schüttelte den Kopf. "Nein, ich glaube nicht." Mit dem Wetter hatte sie wohl recht, aber wo waren die Tiere wenn es regnete? Die waren doch immer draußen. Ihm ging auf, dass er noch nie so richtig darüber nachgedacht hatte, das war mehr Minans Metier. Der Prinz ging nochmal zur Anrichte und sah die Vorräte durch. "Ja, hier ist Trockenfleisch und... ich weiß nicht, Hirse?" Bis morgen würden sie es sicher aushalten, er war es gewöhnt nicht allzu viel zu essen.
Dann blickte er überrascht zu Lia, als diese sich plötzlich wieder auszog und die Suppe erst einmal ablehnte. "Was machst du denn da?" Die Heilerin begann es ihm gleich zu erklären und sie wolle es erst hinter sich bringen. Der Prinz reichte ihr das Glas Wasser zum Trinken, während Lia sich den Stützverband abwickelte.

Schließlich saß sie nur da, mit geschlossenen Augen, hatte ihre Rippen abgetastet, doch selbst Darken spürte, dass sie keine heilende Kräffte anwandte. Lia öffnete die Augen wieder, sah ihn bedrückt an und sagte, sie würde es nicht schaffen und vielleicht sollte sie einfach ihren Knöchel allein.
Darken rutschte zu ihr aufs Bett, die Suppe hatte er erst einmal weggestellt. "Du Feigling", zischte er, kam ihr näher, egal, ob sie gerade nackt war oder nicht. "Du hasts ja nichtmal versucht. Kneifen is nicht. Wenn dus schaffen willst, kannst dus auch." In seinen leicht zornigen Unterton mischte sich wieder jene Eindringlichkeit, der man sich schwer entziehen konnte. "Wir wissen beide, dass es sehr weh tun wird, aber dann hast dus hinter dir. Es ist notwendig und du wirst es schaffen. Oder willst du ewig hier mit mir rumhängen?" Darken grinste, dann atmete er tief durch und rang sich schließlich noch einen Satz ab. "Wenn du willst, halte ich deine andere Hand..." Das war mehr als er sonst tun würde. Er schwieg eine Weile. "Lia, warst du noch nie so schwer verletzt?" Für ihn war das normal, er kannte sich damit aus.
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Sie zuckte zusammen und sah ihn schuldbewusst an, als er sie einen Feigling schimpfte. So versuchte sie auch von ihm weg zu rutschen, als er sich zu ihr aufs Bett setzte, was aber ebenfalls kläglich scheiterte. Er hatte ja so recht, aber wie riss man sich zusammen. Mit einfach tief durchatmen und sich konzentrieren klappte es auf jeden Fall überhaupt nicht.

"Ich kann mir schlimmeres vorstellen", murmelte sie, als er fragte, ob sie ewig mit ihm hier rumhängen wollte, was sie auch durchaus ernst meinte. Dennoch musste sie ebenfalls grinsen. Als er dann aber anbot, er würde ihre andere Hand halten, wenn sie wolle, griff sie unwillkürlich nach seiner und klammerte sich wie eine Ertrinkende daran fest. Danach tat sie aber nichts mehr. Sie konnte einfach nicht zudrücken. Dabei hätte es nur ganz wenig gebraucht. Aber sie hatte solche Angst.

Und dann stellte er eine Frage, die sie erstarren liess und anschliessend brach einen Damm in ihr. Mit grossen Augen sah sie ihn an. "Eigentlich sind die Verletzungen gar nicht so schlimm. Sie sind leicht zu heilen. Aber ohne Betäubung tut es weh." Am Anfang hatte sie noch ruhig gesprochen, aber mit der Zeit wurde sie immer lauter und schneller. "Ich bin auch schon schlimmer verletzt worden. Doch nie hatte es so weh getan. Ich musste mir noch nie selber weh tun, um mich zu heilen. Ich musste mir noch nie eine Rippe brechen. Die Verletzungen sind wirklich nicht schlimm für den Sturz. Ich hatte unglaublich Glück, dass ich noch lebte, als ich ins Wasser stürzte und noch viel mehr, dass du die Vision hattest und rechzeitig gekommen bist. Minan, ich wäre beinahe gestorben." Ihre Stimme wurde ganz schrill. "Du hast mich geretten, aber ich wäre beinahe ertrunken und du auch. Ich hätte nicht mehr Eoshan dienen können, kein leckeres Essen mehr, kein Tanzen, keinen Sex, ich könnte mich nicht mehr mit dir streiten, könnte meine Eltern nicht mehr sehen, meine Schwester."
Sie war nun schon beinahe hysterisch und war in Tränen ausgebrochen, zitterte am ganzen Körper und klammerte sich verzweifelt an Minan.
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Natürlich waren seine Worte hart, doch eigentlich hatte er damit nur ihren starken Willen hervorkitzeln wollen, ihre Sturheit, und nicht, dass sie ihn voller Schuld ansah und nun sie diejenige war, die zunächst von ihm wegrückte. Kaum hatte Darken ihr angeboten, sie könne seine Hand halten, tat sie es abrupt und er war ein wenig überrascht wie schnell sie darauf reagiert hatte. Er hatte es eher so gemeint, sie könne seine Hand halten, während sie die Schmerzen erlebte, doch sie hatte ja nichtmal angefangen mit der Heilung. Der Prinz versuchte seine Hand wieder vorsichtig zurückzuziehen, aber da hatte Lia sie schon fest ergriffen, klammerte sich regelrecht immer stärker an ihn.
Bei seiner nächsten Frage, ob sie schonmal so stark verletzt gewesen wäre, blickte sie ihn mit großen Augen an und mit einem Male sprudelten all die Worte heraus, die ihr offenbar auf der Seele gelegen hatten, ihre Stimme wurde immer brüchiger und schneller, Tränen strömten über ihre Wangen und Darken konnte sie nur hilflos ansehen, heillos überfordert mit so einer Situation. Niemand benutzte ihn als Seelentröster.

Sie hatte weiter ihren nackten Körper an ihn gepresst, schluchzte und schien erst jetzt so richtig zu realisieren, dass sie hätte sterben können. Da sie immer noch seine Hand umklammert hielt, konnte der Prinz nicht viel machen, als ihre Nähe hinzunehmen. Er spürte die heißen Tränen auf seiner Haut. Lia sprach weiter davon was sie alles hätte nicht mehr erleben können, wäre sie in dem Fluss ertrunken.
"Aber du bist nicht gestorben, Lia", fing Darken sich langsam wieder, widerstand dem Drang sie von sich zu schieben. Merkte sie nicht, dass ihn diese ganze Nähe und ihr Geheule ihn überforderte? Der Prinz atmete tief durch. "Du kannst weiter Eoshan sehen, leckeres Essen erleben und tanzen gehen und Sex haben." Nur nicht gerade mit ihm, dachte er. "Und ja dich mit mir streiten... deine Eltern sehen." Er mußte an seine eigenen denken, verdrängte das rasch. "Deine Schwester.." Bisher hatte er nichtmal gewußt, dass sie eine Schwester hatte.
Der Prinz schwieg eine Weile. "Eigentlich haben wir nur überlebt, weil da dieser Ast war an dem ich mich festhalten konnte. Du warst zu dem Zeitpunkt nicht grad ne große Hilfe." Er räusperte sich. "Und danach hab ich dir Mund zu Mund Beatmung gegeben und ich hoffe, ich muss das nie wieder machen." Darken entwand ihr entgültig seine Hand, aber nur um über ihren zitternden Rücken zu streicheln, vorsichtig. "Ich zähl nicht mehr, wie oft ich beinah gestorben wär. Zu deprimierend." Er blickte ihr in die Augen. "Aber wenigstens hast du was wofür es sich zu leben lohnt und wofür du dich durch diese Schmerzen kämpfen kannst. Ich weiß, du schaffst das." Er lächelte aufmunternd, zog sich dann aber ein bißchen von ihr zurück. Mußte sie so klammern? Darken hatte nicht wirklich eine Ahnung davon wie man andere tröstete. Ein Teil von ihm wollte sie anschreien, sie solle aufhören rumzujammern wegen einer lächerlichen Rippe, aber das wäre nicht fair. Im Grunde beneidete er sie. Darum, dass das hier eines der schlimmsten Sachen war, die sie erlebt hatte, darum, dass sie so jammern und aufgelöst sein konnte.
Zögerlich fasste er von selbst wieder ihre Hand, drückte sie bekräftigend.
Schließlich straffte Darken sich, blickte erneut hinüber zu Lia. "Ich könnte... ich könnte dich ablenken, wenn du willst. Mit meiner Stimme." Nicht, dass sie noch auf andere Gedanken kam. Es war so schon schwer genug für ihn. "So dass du das Gefühl hast, es tut nicht ganz so weh. Ich weiß nicht, ob es funktionieren wird... aber du hattest recht. Damals bei Maldris", erklärte er, "Ich kann mit meiner Stimme eine Art Netz weben oder hypnotisieren. Wenn die andere Person offen dafür ist."
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Sie folgte dem Klang seiner Stimme und es half ihr, sich wieder zu beruhigen. Nein, sie war wirklich nicht gestorben. Sie hatte sich einfach darüber erschrochken, dass sie es beinahe wäre. Sie schniefte etwas und war sich auf einmal bewusst, dass sie glücklicherweise keinen Schluckauf bekommen hatte. Das wäre dann schmerzhaft gewesen.

"Ich bin froh, dass ich mich weiterhin mit dir streiten kann", meinte sie leise. "Tut mir Leid, dass ich dir keine Hilfe war und jetzt bin ich es auch nicht. Aber das mit der Mund zu Mund Beatmung hast du wirklich gut gemacht. Also nicht, dass ich es mitbekommen hätte, aber immerhin hat es gewirkt."
Schutzsuchend kuschelte sie sich an ihn. Seine Hand liess sie dann aber doch los, als er daran zog. Dass er ihr dann vorsichtig über ihren Rücken streichelte half ihr noch mehr. "Stimmt, ich habe wirklich viel, wofür ihr kämpfen kann. Es ist nur so seltsam um sich selber zu kämpfen und nicht um jemand anderen", gab sie kleinlaut, errötete gleich darauf. "Danke für deinen Glauben in mich."

Minan war wirklich wunderbar zu ihr. Sie sollte sich wirklich endlich zusammen reissen und ihm nicht länger auf die Nerven gehen. Mit der Decke tupfte sie sich die Tränen weg. Ihr Ausbruch war vorbei. Sein Vorschlag liess sie dann allerdings aufhorchen.
"Das hört sich verlockend an", gab sie zu. "Aber ich muss bei vollem Bewusstsein sein, um mich heilen zu können. Ich muss mich konzentrieren können. Also wenn das trotzdem geht, dann bin ich sofort dabei."
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Die Heilerin beruhigte sich zum Glück allmählich wieder, meinte, sie fände es seltsam, für sich selbst zu kämpfen anstatt für jemand anderen. Darken blickte sie stirnrunzelnd an.
"Ich hab immer nur für mich selbst gekämpft. Ich finde es schwerer für andere zu kämpfen." Liasanya war errötet, dankte ihm für seinen Glauben in sie, was wiederum den Prinzen das erste Mal ein wenig in Verlegenheit brachte, so murmelte er nur etwas davon, dass sie es ja verdient hätte. Die Dea al Mon wischte sich die Tränen fort und ging dann auf seinen Vorschlag ein, und dass sie sich konzentrieren müßte, um sich selbst heilen zu können.
Das war der Moment, wo er sich elegant wieder aus der Affäre hätte ziehen können, ging ihm auf, doch stattdessen schüttelte er den Kopf. "Du solltest dich weiter konzentrieren können. Ich höre sofort auf, wenn etwas nicht stimmt."

Er lächelte schwach, zog seine Hand abermals zurück. Es war ein vorsichtiges Antasten, wieder Zurückziehen, aber anders konnte er das nicht bewältigen und wie nah sie sich an ihn gekuschelt hatte, war wirklich schon fast zu viel für ihn gewesen. Vermutlich bekam die Heilerin aber nichtmal was mit von seinem inneren Ringen.
"Leg dich auf den Rücken und entspann dich..." Darken wartete bis sie es getan hatte ehe er seinen Mut sammelte und sein Widerwillen unterdrückte, langsam über sie stieg, so dass je ein Knie neben ihren Schenkeln ruhte. Es ging nunmal einfacher, wenn sie Körperkontakt hatten. Mit seiner Hand stützte er sich ab und beugte sich vor ohne sie jedoch zu berühren. Nur sein Gesicht kam dem ihren näher und näher. Dann lehnte er seine Stirn sacht an die ihre, blickte ihr tief in die Augen, versank in stummer Konzentration.
"Versuch locker zu lassen... selbst wenn du innerlich angespannt bist... lausch auf deinen und meinen Atem... lausch auf das was in deinem Körper nicht in Ordnung ist." Seine Stimme hatte bereits hypnotischen beruhigenden Klang angenommen. "Hab keine Angst vor den Schmerz, lass ihn zu... umfange ihn... er wird durch hindurchbranden wie eine Welle, du kannst dich nicht dagegen stellen, lass dich mittreiben und davon lenken... die Wellen werden weniger werden und irgendwann ganz von dir abfallen... konzentrier dich auf die Heilung." Es kostete ihn selbst viel Konzentration, ihr zu suggerieren die Schmerzen wären ertragbar, aber die größte Arbeit mußte immer noch Lia erledigen. Seine dunklen ruhigen Augen blickten in die grünbraunen von ihr, er fühlte wie nahe er ihr war. Schon wieder. Doch dieses Mal wollte er ihr helfen und so ging sein Atem ruhig und entspannt.
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Vertrauensvoll legte sie sich auf den Rücken und versuchte sich zu entspannen. Doch die Angst war noch zu gross, als dass es wirklich gegangen wäre. Etwas verwirrt sah sie Minan dann doch an, als er sich über sie kniete. Sie war sich nicht ganz sicher, wie er das mit dem hypnotisieren machen wollte. Doch auf jeden Fall lenkte es sie wunderbar ab.
Auf ein mal war sie da seine schönen grossen Augen, so dunkel und sie versank einfach darin. Bekam nur am Rande mit, wie sich ihre Stirnen berührten. Nur eine kühle Erleichterung in ihrer fiebrigen Hitze. Augenblicklich liess sie sich von seiner Stimme verführen, als er zu sprechen anfing. Sich einfach davon treiben lassen von den Schmerzen. Das klang gut. Die Schmerzen die sie hatte, verschwanden sogar allmählich und irgendwann ertappte sie sich bei dem Gedanken, ob es nicht schön wäre, dpch noch etwas Schmerzen zu spüren.

Sie trieb dahin und hätte beinahe vergessen, was sie hatte machen wollen. Doch dann erinnerte sie sich wieder. Befreit von ihrer Angst, hob sie ihre Finger an ihre verletzte Rippe und drückte einmal kurz und kräftig zu. So richtig mit einem Ruck, bis es knackte. Schmerzerfüllt schrie sie auf und unwillkürlich rannen ihr Tränen über die Wangen. Lass dich einfach davon mittreiben. Er wird einfach durch hindurchtreiben und abfallen. Konzentriere dich auf das Heilen.
Sie wusste nicht, wie lange sie geschriehen hatte oder wie lange sie brauchte, um sich auf ihren Körper zu konzentrieren. Doch irgendwann schaffte sie es und schob mit Hilfe der Kunst die Rippe an den Richtigen Ort und Stelle. Anschliessend begann sie das verletzte Lungengewebe zu heilen und und ebenfalls den Knochen soweit ihre Energie eben auch ausreichte. Doch irgendwann sank sie völlig entkräftet in sich zusammen und alles verschwamm ihr vor Augen. Jedoch nicht bevor sie Minan noch einmal hatte zulächeln können.
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Re: Regen

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Seine Stimme schien Lia wirklich zu helfen. Jedenfalls solange bis sie den Mut aufgebracht hatte, ihre eigene Rippe zu brechen. Die Heilerin schrie sofort auf und vor Schmerzen glitten abermals Tränen über ihre Wangen. Trotzdem hörte Darken nicht auf, sie mit seiner Stimme weiter zu verführen, die Schmerzen erträglich zu machen.
"Konzentriere dich weiter... du darfst jetzt nicht aufgeben", beschwor er sie und konnte fühlen wie sie ihre Heilkräfte anwandte, um sich selbst zu heilen. "Lass dich vom Schmerz nicht erdrücken, treibe auf ihm wie auf einer Welle... er wird weniger werden... du mußt nur etwas weiter durchhalten. Ich weiß, dass du das kannst." Der Prinz sah zu wie die Tränen ihren Lauf nahmen. Er dachte daran wie es wäre sie mit seinem Mund zu berühren, um ihr den Schmerz zu nehmen und erschrak über seinen eigenen Gedanken. Nein, er brauchte und wollte das auch nicht, es war zu viel. Darken hatte ja gesehen wohin das beim Tänzer geführt hatte. Man konnte nichts kontrollieren und vor allem konnte man nicht vertrauen.
Es dauerte lange bis Lia endlich fertig war und in sich zusammensackte.
"Hey, du wirst doch wohl jetzt nicht ohnmächtig oder?", fragte er, doch da lächelte sie ihn noch einmal an ehe ihr entgültig die Sinne schwanden. Darken atmete tief durch und ließ sich neben sie aufs Bett sinken, fühlte sich auch etwas erschöpft.

Nach einer Weile setzte er sich auf und sah zu Lia. Ganz, ganz vorsichtig, darauf bedacht, sie nicht aufzuwecken, streichelte er ihre Tränen fort, was er niemals getan hätte, wäre sie bei Bewußtsein gewesen. Er bemerkte, dass es ihm leichter fiel, sich ihr zu nähern, wenn sie schlief. Sonst hätte er wohl auch nicht die beiden Male im Bett geschlafen.
Sein Blick glitt wider Willen über ihren Oberkörper, betrachtete fast nachdenklich ihre wohl geformten Brüste und wie sie sich bei jedem nun tiefen entspannten Atemzug hoben und senkten. Ach, verdammt. Er deckte sie rasch zu, tupfte mit einem Tuch den Schweiß von ihrer Stirn ab.
Dann verließ er das Bett, um die Suppe nochmals aufzuwärmen und etwas zu essen. Er bereitete auch alles vor für ein mögliches Abendessen, soweit er es mit einem Arm schaffte. Schließlich kümmerte er sich noch einmal ums Feuer, sah zu wie es langsam Holz um Holz auffrass und das Hin- und Herzucken der Flammen hatte eine ganz eigene hypnotische Kraft. Darken hatte seine ersten Visionen gehabt als er in solch ein Feuer gestarrt hatte, damals hatte er natürlich noch nichts damit anfangen können.
Irgendwann hatte aber auch das Feuer seine Anziehungskraft verloren und es ließ sich nicht mehr verbergen... es war entsetzlich langweilig. Der Prinz kannte die Langeweile von den Zeiten, wo man ihn stundenlang in einen nahezu leeren Raum eingesperrt hatte. Dann trieben die Gedanken umher und man dachte allerlei komisches Zeug. Wenn wenigstens Lia wach wäre, aber sie brauchte den Schlaf ja, um sich zu erholen.
Darken legte sich zurück aufs Bett, irgendwie war ihm warm und so öffnete er das Hemd vorne, das ihm eh zu groß war. Das Verzerrte Reich lockte und er gab dem Ruf nach, seine Augen weiterhin geöffnet, trübten sich milchig weiß ehe er in den tieferen Schichten des Zwielichts verschwand. Er fühlte sich sicherer seit dem Netz, das Eoshans Großmutter über ihn gelegt hatte. Der Prinz hatte schließlich keine Inneren Barrieren mehr, wäre einer anderen Schwarzen Witwe, die in seinen Geist wollte, schutzlos ausgeliefert. Anderseits... welcher Mensch wollte schon freiwillig in seinen Geist schauen? Er war zerrissen, zerklüftet, dunkel und voller Abgründe und schrecklicher Bilder, die über die Vorstellungskraft der meisten Menschen hinaus ging. Nichtmal er selbst beschäftigte sich damit seine Erinnerungen vollständig auszuloten, das war einfach zu viel.
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Irgendwann lichtete sich die Dunkelheit wieder, doch wirklich erwachen tat sie noch nicht gleich. Ihr war es, als sei sie bei vollem Bewusstsein in einem schlafenden Körper. Ihre Augen liessen sich einfach nicht öffnen. Es war ein seltsames Gefühl, aber ihr war klar, dass ihr Körper einfach noch sehr erschöpft war und Ruhe brauchte. Vorsichtig tastete sie nach ihren Juwelen. Sie waren fast erschöpft. Dennoch wagte sie es, sich kurz zu untersuchen und stellte erleichtert fest, dass es ihrer Lunge wunderbar ging und dass auch ihre Rippen nun richtig zusammen wachsen würden.

Schliesslich schaffte es sie dann doch noch ihre Augen zu öffnen und gänzlich zu erwachen. Minan lag wieder neben ihr und schien sich zu erholen. Das war gut. Vielleicht wurde er diesmal nicht von Albträumen heimgesucht. Sie wünschte es ihm jedenfalls sehr.
Mühsam erhob sie sich, war aber nur erschöpft. Ihr Brustkorb tat nicht mehr weh. Dennoch nahm sie sich vor, sich sehr vorsichtig zu bewegen. So tastete sie auch gleich nach dem Verband und wickelte ihn sich selber um. Was allerdings gar nicht so einfach war. So war sie dann auch recht ausser Atem, als sie es schliesslich geschafft hatte und auch in ihr Kleid geschlüpft war.

Dann fiel ihr Blick auf Minan und sie keuchte überrascht auf. Seine Augen waren offen. Er schlief gar nicht, sondern lag einfach regungslos auf dem Rücken. Doch nach der ersten Schrecksekunde bemerkte sie, dass er noch atmete. Besorgt sah sie ihm in die Augen, die ganz milchig waren. Ob das so etwas war, wie wenn Eoshans Augen ganz dunkel wurden, wenn sie im Verzerrten Reich war. Was sollte sie nun tun? War das erholsam für ihn oder nicht?
*Minan?* fragte sie verunsichert, sowohl mental als auch mündlich.
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Manchmal, wenn er im Verzerrten Reich, trieb, sah er Schwarze Witwen, die aber nicht ihn sehen konnten, wegen dem schützenden Netz. Aber auch so schienen sie nicht so, als würden sie ihn bemerken. Ihre Gesichter waren so leer und ihre Geister voller schwarzer Schatten, so traurig. Darken folgte ihnen manchmal, schaute sich die Visionen an, die sie hatten und es ging immer um den Krieg oder um Sion. Was ihn mehr beunruhigte, war ihre wachsende Anzahl. Er wußte nicht was da vor sich ging, aber sie bewegten sich in einer Ebene, die seltsam war und die er auch nicht immer erreichte. Wie ein doppelter Boden in einem Zylinder. Manchmal sah er die Schwarzen Witwen und manchmal wiederum nicht, mehr als würde er nur ihre Reflexionen in einem Spiegel erhaschen.
Während er das noch ergründete und dabei immer tiefer glitt, hörte er plötzlich ganz schwach einen Gedankenruf. Zuerst hoffte er, es wäre Eoshan, doch dann spürte er, dass es etwas anderes war. Es dauerte bis er zurück in seinen Körper fand und langsam den Kopf wandte, zu Lia blickte.
"Du bist ja wieder wach...", stellte er fest, seine Augen klärten sich nur minimal, während das Graue Reich weiter lockte und rief. Sein Blick glitt über die Heilerin, er bemerkte, dass sie sich wieder angezogen hatte. "Wie geht es dir? Hast du die Heilung ganz geschafft?", fragte er. Es müßte ja ein gutes Zeichen sein, dass sie wieder wach war.

Der Prinz versuchte den Ruf zu ignorieren, aber es kostete ihn viel Kraft. Er schloss die Augen eine Weile, atmete tief durch, öffnete sie wieder und sah der Heilerin in die Augen. "Du hast lange geschlafen... ich dachte, ich versuche Eoshan zu erreichen. Einmal, als ich mitten im Wald aufgewacht bin, hatte das übers Verzerrte Reich geklappt." Gut, das war Minan gewesen, nicht er. Darken zuckte mit den Schultern, setzte sich ganz auf. "Hast du Hunger? Ich hab dir Suppe übrig gelassen." Ihm fiel auf, dass sein Hemd immer noch offen war und so schloss er es rasch.
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Es dauerte sehr lange, bis Minan auf sie reagierte. Dann aber erschauderte sie unwillkürlich, als er sie so mit seinem milchigen Blick ansah. Das war irgendwie total unheimlich. "Ja", meinte sie etwas verspätet. "Ich bin wieder wach. Der Lunge geht es wieder gut und die Rippe sitzt wieder so, wie sie sollte. Willst du mal fühlen?" Sie bot ihm das an, weil er doch recht lange bei ihr in den Heilunterricht gekommen war und es so etwas lernen konnte. Dass er das möglicherweise auch falsch verstehen könnte, kam ihr nicht in den Sinn.

"Jetzt muss sie nur noch zusammen wachsen", fuhr sie fort. "Ich war auch sehr erschöpft, deswegen habe ich so lange geschlafen. Ich bin eigentlich immer noch total müde, aber es ist wohl besser, wenn ich jetzt eine Weile wach bleibe."
Erleichtert lächelte sie ihn an. Seine Augen wurden wieder klarer. "Ich war mir nicht so ganz sicher, ob es dir gut ging, wo du warst, denn du musst auch recht ausgelaugt sein und sich dann ins graue Reich zu begeben, kann doch gefährlich werden. Oder? Ich wollte dich nicht stören. Hat es denn geklappt? Hast du sie erreicht?"
Lia sah ihn etwas irritiert an, als er so hastig sein Hemd schloss. War denn jetzt wieder los? Doch sie reagierte nicht darauf, sondernd nickte nur dankbar. "Ja, ich hätte gerne noch etwas Suppe. Vielen Dank. Für alles Minan. Danke für deine ganze Hilfe. Das ist bestimmt auch ganz schön anstrengend für dich."
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Re: Regen

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Es dauerte etwas bis Lia auf seine Frage reagierte und ihm erklärte wie es ihr ging. Der Prinz blickte sie erst vollkommen irritiert an, als sie ihn fragte, ob er mal fühlen wollte wie die Rippe wieder saß. "Was? Nein, ich will dich nicht anfassen", lehnte er ab und rutschte vom Bett. Auf was für Ideen kam sie denn? Für seinen Geschmack hatte er sie seit sie in den Fluss gefallen war, schon häufig genug berührt.
"Du mußt nicht wach bleiben, wenn du müde bist", sagte er noch, da die Heilerin erwähnte wie müde sie war. Darken ging hinüber zum Kamin, wärmte die Suppe ein weiteres Mal auf, nachdem Lia ihn darum gebeten hatte. Auf die Frage, ob er Eoshan erreicht hatte, schüttelte er nur den Kopf.
"Das ist nicht so einfach. Ich kann nicht mehr senden, ich kann nur das Verzerrte Reich dazu bringen nach ihr zu rufen. Und ja, das Reich kann gefährlich werden, aber ich hab ein Netz von ihrer Großmutter, das mich schützt. Gegen all die, die mich suchen." Dass die Dea al Mon womöglich das erste Mal davon hörte, dass man ihn suchte, fiel ihm nicht auf. "Außerdem kann ich mir nicht immer aussuchen, ob ich ins Verzerrte Reich will. Gestern als du so weggetreten warst, hatte ich die ganze Zeit mit Visionen zu kämpfen", gestand er ihr. Und irgendetwas hatte er gesehen, etwas was ihn an die Schwarzen Witwen mit den leeren Gesichtern erinnerte. Es war wie... als wären sie gestrandet. Oh, er konnte es nicht richtig begreifen oder in Worte fassen, jedesmal wenn er dem Gedanken näher kam, entzog es sich ihm wieder. Sein Blick wurde wieder leicht geistesabwesend.

Dann fing Lia an, sich auch noch bei ihm zu bedanken. Darken wandte den Blick ab, hantierte mit der Suppe. Mit Danksagungen hatte er es nicht so. "Ach, es ist halb so wild", wiegelte er ab, "So anstrengend ist es nun auch wieder nicht." Trotzdem war er froh, wenn sie hier weg kamen. Auch wenn das nichts mit der Anstrengung zu tun hatte, sondern eher mit Lia. Er brachte ihr die Suppe, setzte sich selbst aber dann an den Kamin.
"Wegen dem Abendessen... du mußt mir wohl helfen beim Kartoffel schälen und so. Sobald du dich kräftig genug fühlst", fügte er rasch hinzu.
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Sie warf ihm einen Blick zu, dem deutlich zu erkennen war, wie daneben sie sein Verhalten fand, dass er schon fast panisch vom Bett floh und meinte, er wolle sie nicht anfassen. Er sollte sich jetzt wirklich nicht so anstellen. Immerhin hatte er sie schon ganz anders angefasst und hier ging es darum, dass er etwas lernte. Hätte er das nämlich vorhin schon gespürt, dass die Rippe nicht richtig sass, hätte sie sie nicht brechen müssen. Doch so etwas konnte man nur wissen, wenn man es gelernt hat.

Dann aber lauschte sie überrascht seinen Worten. Schon wieder sagte er so etwas verblüffendes, was man so gar nicht vermuten würde, dass ihm so etwas passiert sein mochte. "Das mit diesen Visionen, kann man sich dagegen nicht abschotten?" fragte sie interessiert. "Obwohl, Eoshan wird glaube ich manchmal auch einfach davon überwältigt. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass du es geschafft hast, dich nicht davon forttreiben zu lassen."

Mit einem Lächeln nahm sie von ihm die Suppe entgegen und machte sich hungrig darüber her. "Ich bin zwar müde, aber es ist nicht gut, wenn ich jetzt schon wieder schlafe. Ich sollte wieder in den normalen Rythmus kommen und die Kartoffeln mache ich gerne. Aber Minan sag mal", sie zögerte etwas, nahm noch etwas Suppe zu sich. "Von wem wirst du denn gesucht? Hat das damit zu tun, dass du schon so oft fast gestorben wärst, dass du es nicht mehr zählen kannst?"
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Dass Lia es ihm übel nahm, dass er ihre Rippe nicht berührte, verstand er nun überhaupt nicht, doch er wollte auch nicht weiter darüber nachdenken. Was war so schlimm daran, wenn er etwas Abstand wollte, warum begriff sie das nicht? Zum Glück wechselten sie das Thema, fragte ihn dann nach den Visionen. Darken schwieg eine Weile darauf.
"Kann man schon", bemerkte er knapp, "Nur nicht gerade wenn man total erledigt ist. Und immer gelingt mir das auch nicht. Ach, es ist schwierig zu erklären", blockte er ab und warf noch ein Holzstück in das Feuer und sah zu wie es an den Rändern schwarz wurde. Warum hatte er überhaupt mit dem Thema angefangen? Ihm fiel wieder auf um wieviel angenehmer es gewesen war als Lia noch geschlafen hatte. Nur eben auch um vieles langweiliger.
Die Heilerin meinte, sie wolle nicht sofort wieder schlafen und sie würde ihm nachher beim Abendessen helfen. Der Prinz horchte auf, als sie zögerlich ansetzte ihn zu fragen. Was denn jetzt schon wieder? Wußte sie nicht mehr, dass er keine Fragen mochte?

Trotzdem fragte sie ihn dann von wem er gesucht würde und ob das mit seinen Nahtoderlebnissen zu tun hätte. Darken schüttelte den Kopf. "Nein", antwortete er sofort, merkte dann aber selbst, dass das so nicht stimmte, "Naja, nicht ganz... es hat lose damit zu tun. Denke ich. In Hayll denken alle, ich bin tot. Im Grunde existier ich nicht mehr für die Welt." Er hatte seinen Blick immer noch auf das Feuer gerichtet. "Damit man nicht mehr nach mir sucht. Und bevor du fragst, nein, ich hab keine Ahnung warum man mich sucht. Vielleicht weil ich irgendetwas gesehen habe was ich nicht sehen sollte. Dabei erinnere ich mich nichtmal an alle Visionen, die ich hatte. Sion scheints trotzdem zu interessieren." Er schnaubte leicht. "Deswegen bin ich jetzt hier und... darf solange hier bleiben bis Sion keine Bedrohung mehr ist." Das 'darf' sprach er recht sarkastisch aus. Eoshan hatte ziemlich deutlich gemacht, dass er den Wald nicht mehr verlassen durfte.
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

Mit grossen Augen sah sie ihn an, vergass dabei vollkommen weiter zu essen. "Das klingt wie eine Sage aus den Heldengeschichten", meinte sie verblüfft. "Du bist vor Sion auf der Flucht?"
Minan meinte, dass er nicht verstehe, weshalb Sion ihn suchte. "Der Kerl scheint sowieso nicht mehr alle Tassen im Schrank zu haben. Niemand weiss so wirklich, was er weshalb tut. Na ja, vielleicht abgesehen von den Territoriumsköniginnen. Die scheinen so einiges zu wissen. Hoffe ich zumindest. Hauptsache sie wissen, wie man ihm beikommt."

Sie erinnerte sich daran, dass sie noch etwas Suppe in ihrem Teller hatte. So ass sie zögerlich weiter. "Das ist ganz schön heftig. Aller Freunde verlassen zu müssen und in irgend einem fremden Territorium ein Gefangener sein zu müssen" stellte sie erschaudernd fest. Sie hatte seine Tonlage durchaus realisiert und Lia war kein Mensch, der Dinge schönredete "Geht es einigermassen? Ich hoffe, du bist Eoshan nicht zu böse, dass sie dich hier festhält. Das macht sie bestimmt nicht gerne."
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Lia blickte ihn erstaunt an und der Prinz erwiderte ihren Blick fest. "Ich weiß es nicht... ich weiß nur, dass Schwarze Witwen von ihm im Verzerrten Reich nach mir auf der Suche waren. Es war... schwer sich vor ihnen zu verbergen und außerhalb des Reiches zu bleiben. Es ruft nach mir und manchmal kann ich dem Ruf nicht widerstehen, das ist so", erklärte er. Die Heilerin gab ihre ganz eigene Meinung über Sion kund und dass er ihrer Meinung nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte. "Außerdem bin ich kein Held", stellte er richtig. Die Dea al Mon aß ihre Suppe weiter und als sie begann davon zu reden wie heftig das sicher wäre, ein Gefangener in einem fremden Territorium zu sein, blickte der Prinz sie wütend an.
"Auf dein Mitleid kann ich wirklich verzichten", fauchte er mehr, eigentlich nur ein Reflex, um sich zu verteidigen, und auch weil er nicht wollte, dass man ihn bedauerte. Er konnte alleine klar kommen.

Darken wandte den Blick ab, lauschte dem Prasseln des Regens und dem Heulen des Windes. "Ist mir egal, ob Eoshan das gerne tut oder nicht. Wir beide wissen, dass es notwendig ist. Timaris hätte mich auch töten können." Er lächelte grimmig. "An ihrer Stelle hätte ich es getan. Aber wenn dus genau wissen willst, die Zeit hier ist die schönste in meinem Leben." Zwar klang es ungewollt zynisch, doch im Grunde entsprach es nur der Wahrheit und noch während er das gesagt hatte, fiel ihm das selbst erst auf. Darken wurde etwas nachdenklicher. "Vielleicht bleibe ich länger hier...", fügte er leiser hinzu. Er hatte sowieso keinen anderen Platz wo er hingehen konnte. Klar, irgendwann später zurück nach Hayll und Timaris wäre bestimmt hoch erfreut, wenn er ihren Vertrag unterschrieb und dass er ihr dienen wollte. Aber... er hatte es, als er dort gewesen war, nie unterschrieben und er würde es auch nie tun. Er wußte, was Timaris so von ihren Männern am Hof verlangte und das wollte er nicht. Zudem war er immer noch sehr wütend auf die Königin.
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Liasanya
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Re: Regen

Beitrag von Liasanya »

"Wenn du nicht aufhörst mich zu ärgern, bemitleide ich dich einmal wirklich", fauchte aufgebracht zurück. Minan war je wieder einmal in einer wunderbaren Stimmungen. Vielleicht sollte sie ihn wirklich einmal bemitleiden. Das wäre eine wunderbare Rache für sein unmögliches Verhalten. Gleich darauf vergass sie den Gedanken wieder. Das hatte er nicht verdient.

Seine Worte, darüber, dass Timaris ihn hätte töten können und dass er es an ihrer Stelle getan hätte, liess sie erschaudern. Sie war froh, nicht solche Entscheidungen treffen zu müssen.
"Ich bin froh, dass sie es nicht getan hat", meinte Lia aufrichtig. "Auch wenn es dir hier nicht sonderlich gefällt." Sie verdrehte ihre Augen. Der Junge war ja unglaublich zynisch.
Doch dann überlegte er leise, dass er vielleicht doch länger hier bleiben könnte. "Das wäre schön", platzte sie da heraus. Etwas verlegen senkte sie den Kopf und begann sich mühsam aufzurappeln. Sie brauchte dringend etwas Bewegung. "Ich meine, wenn du auch freiwillig hier bleiben würdest. Dann gefällt es dir hier vielleicht auch besser."
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Darken
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Re: Regen

Beitrag von Darken »

Sein Abwehrverhalten brachte auch Lia dazu, ein wenig verärgert zu werden und ihm vorzuhalten, sie würde ihn erst recht bemitleiden, wenn er weiter so mit ihr umging. Darken schüttelte den Kopf, nein, er hatte keine Lust jetzt mit ihr zu streiten, besonders nicht, wo es ihr immer noch nicht gut ging. "Schon gut... ich habs nicht so gemeint", erwiderte er matt. Seine Miene blieb verschlossen, während die Heilerin ihm sagte, sie wäre froh, dass Timaris ihn nicht getötet hatte.
"Ja, ich auch...", gab der Prinz zu, lächelte schwach. Es war einer der wenigen ehrlichen Momente, die sie gerade hatten. Nur ihren nächsten Satz verstand er nicht so richtig, wie meinte sie das jetzt, es gefalle ihm hier nicht sonderlich? Trotzdem sagte er nichts dazu, hörte ihr weiter zu. Lia hatte sich etwas weiter aufgesetzt und hoffte, ihm würde es hier besser gefallen, wenn er aus freiwilligen Stücken hier wäre.

"Mir gefällt es hier", sagte er endlich und dieses Mal ohne Zynismus in der Stimme. "Wirklich. Auch wenn du mir das nicht glaubst, aber Dea al Mon.... mann, du weißt gar nicht wie glücklich du bist hier aufzuwachsen. Weit weg von all dem Mist." Das war zwar nicht ganz was er hatte sagen wollen, aber es entsprach seiner Bitterkeit und der Wut, die in ihm gewachsen war über all die Jahre. "Mir gefällt es hier", wiederholte er, "Besser als all die anderen Plätze wo ich war. Auch wenn ich da nie in einen reißenden Fluss gesprungen bin, um-" Der Prinz hielt plötzlich inne, korrigierte sich. "Doch, bin ich. Aber nicht um jemand anderen zu retten, sondern um mich zu retten. Ehrlich gesagt, hab ich noch nicht so viel Übung daran andere zu retten. Also..." Er atmete tief durch. "Tut mir leid, wenn ich dich ärgre." Und das war das erste Mal überhaupt, dass er sich entschuldigte.
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