Seite 8 von 19
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:55
von Fergus
"Bist du sicher?" fragte Fergus überaus skeptisch, als Lilian ihm versicherte, dass der Meister doch nicht für sie seine Villa verlassen und woanders leben würde. Für Fergus war das überhaupt nicht so klar, wie für Lilian. "Wo er dich doch so gern hat", erklärte er seine Bedenken. Schliesslich konnte der Meister sich ganz leicht woanders eine Villa kaufen. Das musste er dringend mit Yukarin besprechen. Der Bibliothekar würde da einen kühleren Kopf behalten und nicht gleich so ein Herzflattern bekommen, wie Fergus es gerade in sich fühlte. Er würde besser wissen, ob sie Angst haben mussten oder nicht. Fergus wollte am liebsten gleich zu ihm springen. Doch Lilian hatte noch mehr Fragen an ihn, die ihn von seiner Angst ablenkten.
"Na hier her zurück kommen", erklärte er Lilian. "Dass ihr gemeinsam nach Amdarh fährt, um deine Eltern zu besuchen und dann auch wieder gemeinsam hier her zurück kommt." Was sollte er denn auch sonst damit meinen? Das war doch offensichtlich. "Ich weiss nicht, ob der Meister deine Eltern kennen lernen möchte", versuchte er auch Lilians andere Frage zu beantworten. "Da musst du ihn fragen. Aber warum auch nicht?" Das wäre doch nett.
Lilian schüttelte jedoch gleich heftig seinen Kopf und meinte, dass der Meister das nicht dürfe. Er dürfe nicht ihre Eltern kennen lernen. Die sollten nicht wissen, dass sie hier ein Mädchen wäre oder das mit der Zeremonie. Fergus runzelte die Stirn. Hatte Lilian bei seinen Eltern kein Mädchen sein dürfen? Das klang ganz schön grausam. Bevor Fergus danach fragen konnte, war Lilian jedoch schon weiter. Sie überlegte sich, was der Meister gesagt hatte, was sie gefragt hatte und sie war ganz verwirrt darüber. Das war Fergus auch. Ihm rauchte schon der Kopf. Höchste Zeit, dass er ihn sich durchlüften liess.
"Das ist eine gute Idee", nickte er deswegen eifrig, als Lilian meinte, dass sie nochmals mit dem Meister darüber sprechen sollte. "Dann klärt sich bestimmt alles auf und ist nicht mehr so verwirrend. Wir können ihn gleich suchen gehen und..."
"Was ist den hier los?" fragte Coranis plötzlich in seinem Rücken enttäuscht und entrüstet. Erschrocken schoss Fergus auf. Der alte Verwalter muste durch die Tür hinter ihnen in den Geschirrraum gekommen sein. Fergus hatte ihn gar nicht kommen gehört, so sehr war er mit Lilians Problemen beschäftigt gewesen.
"Coranis! Wir wollten äh..." Ohweh, sie hätten doch das Silber putzen sollen. Fergus hatte sich diesmal wirklich daran halten wollen. Aber dann war er unversehens in dieses komplizierte Gespräch gerutscht.
"Ihr wolltet euch offensichtlich wieder einmal um die Arbeit drücken", vervollständigte der alte Prinz enttäuscht seinen Satz. "Fergus, also wirklich! Ich dachte wirklich, dass wir uns diesmal verstanden hätten."
"Ooh, Coranis, es tut mir so leid", entschuldigte sich der lockenhaarige Krieger innig, dem es ganz weh ums Herz wurde, weil der Verwalter so enttäuscht und erschöpft klang. "Ich wollte wirklich arbeiten. Bitte, sei nicht böse mit uns." Rasch ging er zu ihm, um ihn sanft zu umarmen und mit grossen Augen anzublicken. "Ich werde alles nachholen. Versprochen. Und wenn ich die ganze Nacht dafür schuften muss. Morgen ist alles blitzeblank sauber und glänzend. Ganz sicher. Wir sind nur ins Reden geraten, weil der Meister doch so wütend auf Lilian geworden ist. Anscheinend will er Lilians Eltern besuchen gehen. Aber Lilian will das nicht. Oh, Coranis, vielleicht... vielleicht zieht der Meister auch ganz von hier weg. Nach Amdarh... zu Lilian. Wenn... wenn er uns verlässt... was wird dann aus uns? Meinst du, er hat uns nicht mehr gern?" Nun traten auch Fergus die Tränen ins Gesicht und er drückte sich fest an den älteren Mann.
"Kind, was redest du denn da?" fragte der Verwallter ihn überrumpelt und streichelte ihm tröstend über den Kopf. "Natürlich hat der Meister uns noch lieb. Er wird uns bestimmt nicht verlassen."
"Bist du sicher?" schniefte Fergus durcheinander. "Wo er doch so viel Zeit bei Lilian verbringt und sogar Darion aufgegeben hat, damit er sie hier her bringen kann."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:56
von Lilian
Fergus hielt es auch für eine gute Idee, nochmal mit dem Adeligen zu reden und er wollte auch sofort los, ihn suchen zu gehen. Lilian war da zögerlicher. Er hatte große Angst vor dem nächsten Ausbruch des Prinzen und befürchtete weiteren Streit. Bevor der Jugendliche Bedenken anmelden konnte, unterbrach sie eine laute, entrüstete Stimme.
Neben Lilian sprang Fergus sofort auf. Auch der Jüngling drehte sich erschrocken herum. Mahnend und verärgert blickte sie ausgerechnet der Verwalter an. Bevor Fergus noch erklären konnte, vermutete Coranis, dass sie sich vor der Arbeit drücken würden und begann mit dem jüngeren Krieger zu schimpfen.
Ohje, Lilian hatte den Verwalter nicht wütend machen wollen. Wenn Aerys nun erfuhr, dass Lilian Probleme machte? Er würde ihn noch schlimmer bestrafen.
"Es tut mir leid", entschuldigte er sich schüchtern bei dem alten Mann. Fergus entschuldigte sich noch eine Spur inniger und ging gar auf Coranis zu, um ihn zu umarmen und zerknirscht um Verzeihung zu bitten. Der Weißgekleidete beteuerte, dass er die ganze Nacht schuften würde, um die versäumte Arbeit nachzuholen. Morgen wäre alles sauber.
Lilian sah erschrocken zu den vielen Kisten an noch zu polierendem Besteck. Er hatte nicht gewusst, dass das alles heute erledigt werden musste. Hieß das, auch er musste bis nachts daran arbeiten?
"Wir haben noch gegessen und uns unterhalten", versuchte Lilian zu erklären und stand vorsichtig auf. Fergus ging aber gleich weiter und erzählte Coranis gleich davon, was Lilian ihm gebeichtet hatte. Erschrocken hörte der Jüngling dem zu. Er hatte nicht erwartet, dass Fergus gleich alles vertrauliche sofort ausbreiten würde. Wenn sich dies nun im Anwesen herumsprach? Und wenn Aerys zu hören bekam, dass Lilian nicht wollte, dass dieser seine Eltern kennenlernte? Oh nein. Vielleicht wurde Aerys dann noch wütender. Wieso erzählte Fergus das alles?
Lilian konnte ihn aber auch nicht aufhalten.
Dann befürchtete Fergus gar, dass der Meister von hier wegziehen würde, um mit Lilian in Amdarh zu leben. Das stimmte doch alles nicht. Das war nur Fergus' eigener absurder Einfall gewesen. Lilian wollte schon empört protestieren.
"Was wird dann aus uns? Meinst du, er hat uns nicht mehr gern?", klagte Fergus und begann gar zu schniefen. Er klammerte sich an den überraschten Verwalter.
Lilian vergaß wieder zu protestieren und bekam stattdessen ein schlechtes Gewissen. Er hatte nicht gewollt, dass Fergus so dachte und ebenfalls Angst bekam. Dass er tatsächlich glaubte, Aerys würde sie nicht mehr mögen. Coranis versuchte diese Sorgen auch zu zerstreuen, doch Fergus war weiterhin sehr aufgewühlt und nicht überzeugt. Der Meister würde so viel Zeit bei Lilian verbringen und hätte gar Darion aufgegeben.
Lilian wurde sehr unbehaglich zumute. War Fergus etwa eifersüchtig auf ihn? Der junge Dhemlaner musste daran denken, was Javier gesagt hatte. Dass viele in der Villa glaubten, Lilian hielte sich für etwas besseres und wäre eine Diva. Wenn ihn nun deswegen niemand mehr mögen würde?
"Es ist meine Schuld, es tut mir leid", ergriff er das Wort und kam zaghaft näher, die Hände vor den Schoß gepresst. "Ich war nur so traurig wegen dem Streit mit Ae.. Prinz Verden", verbesserte er sich hastig, da den anderen vielleicht nicht gefiel, wenn Lilian Aerys' Vornamen benutzte.
"Ich habe Fergus damit abgelenkt. Ich glaube aber auch nicht, dass Aerys.. Prinz Verden mit mir in Dhemlan leben wird. Davon war nie die Rede. Es war alles aber ein Missverständnis, glaube ich. Zwischen ihm und mir, weil er mir eigentlich-"
Der strenge Blick des Verwalters ließen ihn inne halten. Er sah nicht so aus, als interessierte ihn auch nur irgendetwas davon. Coranis murrte, dass sie kaum mit ihrer Arbeit angefangen hätten und ob Lilian nicht gewusst hätte, was er mit seinen unbedachten Worten bei Fergus anrichten würde.
Der Jüngling schluckte schwer. "Nein...", sagte er kleinlaut und leise. "Es tut mir leid. Prinz Verden hat sicher alle hier sehr gern. Mit mir ist er doch ständig wütend und mit niemanden von euch", versuchte er Fergus aufzumuntern. Der Weißgekleidete weinte weiterhin und dass er zu Yukarin wollte. Yukarin? Etwa der Bibliothekar? Fergus suchte Trost bei einem Blutigen?
Anderseits hätte Lilian auch gerne Lucero an seiner Seite gehabt. Die Situation war unbekannt und einschüchternd. Und rein niemand war auf seiner Seite.
"Es tut mir leid, Fergus", entschuldigte er sich. Coranis schickte den älteren Krieger dann tatsächlich nach draußen. Danach wandte er sich zurück an Lilian und wies ihn ungeduldig an, hier weiterzumachen. Der schlanke Junge nickte stumm. Er hätte gerne Widerworte gegeben, doch seine Stimme versagte und er befürchtete, dass nur ein Schluchzen herausgekommen wäre. Wieso war denn niemand auf seiner Seite?
Coranis ließ ihn ebenfalls alleine. Geschockt von der raschen Entwicklung setzte Lilian sich zurück an den langen Tisch. Es war jetzt sehr still in dem Raum. Verzweifelt blickte das Nesthäkchen auf das viele Besteck. Wie sollte er das alleine schaffen? Er war doch überhaupt nicht geübt im Silberpolieren. Und was passierte, wenn er es nicht schaffte? Würde Aerys ihn wieder schlagen? Das Besteck war ja für seinen Geburtstag.
Lilian griff nach einem Löffel und begann ihn sorgsam zu polieren. Angestrengt bemühte er sich, sich auf seine Aufgabe zu konzentrieren, doch es war sehr monoton und seine Gedanken wollten einfach nicht zur Ruhe kommen. Er hätte nicht mit Fergus reden sollen, obwohl er so unbedingt jemanden zum Reden gesucht hatte.
Der zarte Jüngling blickte aus dem Fenster. Er wollte hier weg. Er vermisste sein Zuhause so sehr. Jetzt besonders, wo es im Mittelpunkt des Streites stand. Würde er es jemals wiedersehen? Hatte Aerys ihm einfach einen Besuch dorthin erlauben wollen? So etwas wie ein längerer Ausflug? Lilian konnte sich das kaum vorstellen. Dass der Adelige ihn tatsächlich bis zu seiner Haustüre bringen würde. Und dann sollte Lilian wieder brav mit ihm mitgehen? Es klang ungeheuerlich.
Aber vermutlich genauso ungeheuerlich wie der Gedanke, dass Aerys ihn nach Hause bringen und dann gehen würde. Wieso hatte Lilian das geglaubt? Der Adelige würde das nie machen. Er war so dumm gewesen. Die Vorstellung war nur soo schön gewesen.
Lilian gab ein leises Schluchzen von sich, aber niemand war in der Nähe, um es zu hören. Verbissen polierte er weiter das Besteck. Er tat es jetzt sehr gründlich, denn er wollte keine Fehler riskieren. Dafür ging es sehr langsam voran und zum Mittag hin war kaum etwas geschafft. Lilian sehnte sich jetzt danach, dass Aerys hierher kam. Er malte sich aus wie der Prinz sich für alles entschuldigte, ihm das Besteck aus den verkrampften Fingern wand und ihn zurück nach oben trug.
Wann immer der Junge Schritte draußen auf dem Gang hörte, blickte er erwartungsvoll zu einer der Türen, aber nichts geschah. Er blieb allein. Irgendwo schlug eine Standuhr monoton vor sich hin. Der Jüngling weinte leise. Tränen tropften auf das kostbare Silber.
Wie sollte er nur die Situation mit Aerys regeln? Wenn dieser nun alle Drohungen wahrmachte und es keine Ausnahmen mehr gäbe und er ihn wirklich zu einem Kunstwerk machte. Wenn nun die Blutigen begannen ihn zu vergewaltigen? Und was war gewonnen, wenn Lilian doch zurück in sein Zimmer kam und dort dem weiteren Terror des unberechenbaren Adeligen ausgesetzt war? Noch mehr Schläge vielleicht... nie in Sicherheit sein.
Er schluchzte und die kleinen Schultern zitterten darunter.
"Bitte, Dunkelheit...", flüsterte er flehend. Wie konnte das bloß sein Schicksal sein? Ob er die Zeit hier überleben würde? Er wollte so gerne Darion oder einen der anderen sehen, aber Lilian traute sich nicht den Raum zu verlassen. Sein Magen grummelte und er aß eines der übrig gebliebenen Brote. Dann machte er rasch weiter. Draußen wurde es jetzt allmählich schneller dunkel. Es war immer noch nicht alles geschafft. Lilian würde bei seiner allersten Aufgabe versagen.
Nein, es war doch egal, dachte er trotzig. Er wollte nicht ein braver Weißgekleideter sein. Trotzdem hatte er Angst und machte weiter. Lilian überlegte hin und her, ob er nicht Aerys senden konnte, doch auch da traute er sich nicht. Der Junge weinte erneut. Hastig wischte er die Tränen bei einem Löffel weg, legte ihn beiseite in eine der Schachteln.
Gegen abend hin tauchte Coranis auf und wunderte sich, dass Lilian immer noch hier war. Und dass nicht alles fertig war.
"Es tut mir leid. Ich hatte doch keine Hilfe." Der Junge blickte unglücklich zu Boden. Der Verwalter fragte ihn, wie lange er denn für ein Besteckset brauchte und als Lilian sagte, dass es eine Viertelstunde sei, schickte ihn der alte Weißgekleidete kopfschüttelnd aus dem Raum.
"Wisst ihr wo Darion oder Marlin, Terim oder Lucero sind?", fragte der Jüngling. "Ich wollte gerne-"
Coranis unterbrach ihn damit, dass Lilian in den Schlafsaal sollte. Es wäre schon spät und Schlafenszeit für ihn. Was? Der Jugendliche sah ihn erschrocken an.
"Aber ich wollte doch noch-"
Er wurde zum Schlafsaal geführt. Ein paar andere Weißgekleidete waren bereits da, doch Lilian kannte sie höchstens vom Sehen her. Er sah sich nach Fergus um, aber der lockenhaarige Krieger war nirgendwo zu sehen. Oh nein. Lilian raffte sein Kleid etwas und stakte über die Matratzen, suchend nach dem Lager, wo Fergus angeblich nächtigen sollte. Wo war das nochmal gewesen? Und wo war noch Platz für ihn? Wenn er jetzt jemanden unwissentlich verdrängte und man ihn noch weniger mögen würde?
Vorsichtig setzte er sich auf eine freie Stelle. Und jetzt? Wo würde er ein Kissen und eine Decke herbekommen? Konnte er einfach etwas nehmen was hier lag oder war das reserviert? Unsicher betrachtete der Jüngling die Schlafstätten. Würden heute nacht die Blutigen reinkommen? Lilian zitterte. Es kam ihm kalt im Schlafsaal vor, aber vielleicht war er auch nur empfindlich wie Marlin ihm mal gesagt hatte, der sowieso immer nur eine sehr kurze Tunika trug. Lilian hätte sich jetzt gerne mit ihm unterhalten. Hier fühlte er sich sehr unwohl.
Am allerliebsten wollte er zurück in sein Zimmer... dass er das überhaupt dachte. Aerys hatte ihn schon so weit dazu gebracht, dass er sein Gefängnis mochte. Lilian nagte an seiner Unterlippe. Nein, er würde nicht wieder weinen. Er hatte schon schlimmere Schlafstätten gehabt. Im Slavenlager. Er musste sich zusammenreißen und es würde schon irgendwie gehen.
Da tauchte plötzlich Fergus im Schlafsaal auf. Und er hatte sogar eine Tunika in den Händen. Lilian blickte ihn erleichtert an. Ungelenk rappelte er sich in dem einschränkenden Kleid auf und versuchte dem älteren Krieger entgegen zu kommen.
"Fergus. Ich hab mich schon gefragt wo du bist." Der Jugendliche zögerte. "Wie gehts dir denn?", fragte er mitfühlend. "Ich wollte nicht, dass du Angst bekommst..."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:56
von Fergus
"Ja, ich bin mir ganz sicher, Fergus", beruhigte Coranis ihn weiter und drückte ihn lieb. Das tat gut. Trotzdem war er noch ganz durcheinander und so recht konnte er Coranis trotzdem nicht glauben. Besonders weil er so streng mit Lilian sprach und mit ihr schimpfte. Das klang fast so, als ob doch etwas daran wäre. Auch wenn Lilian sich nun entschuldigte und beteuerte, dass der Meister sie alle sehr gern hätte. Nur mit ihr wäre er doch ständig wütend. Aber das lag vielleicht daran, dass Lilian ihm viel wichtiger war, als sie alle anderen. Das war nicht so schlimm. Traurig, aber nicht schlimm. Das gab es eben, dass man manche lieber mochte als andere. Aber wenn der Meister sie alle verliesse, weil Lilian nicht hier bleiben wollte, das war ein furchterregender Gedanke, der ihm gleich noch mehr Tränen in die Augen trieb.
"Coranis, kann ich zu Yukarin gehen?" bat er schluchzend. Der Bibliothekar war so klug. Er würde einen kühlen Kopf bewahren und den Durchblick über dieses ganze Durcheinander behalten. Glücklicherweise erlaubte Coranis ihm auch gleich, zu ihm zu gehen. Fergus drückte Coranis noch einmal dankbar, nickte Lilian lieb zu und huschte dann eiligst aus dem Geschirrraum.
Kaum war die Tür hinter ihm zugefallen, gab es kein Halten mehr für ihn und er rannte durch die Villa direkt in die Bibliothek, wo er Yukarin spürte, um dem schlanken Krieger schluchzend um den Hals zu fallen. Daraufhin wurde er beinahe augenblicklich dafür gezüchtigt, dass er so einen Radau machte. Es war gemein, weil ihm doch so viel auf dem Herzen lastete. Trotzdem tat es gut und nachdem er etwas zum Schreien gebracht worden war, durfte er Yukarin sein Herz ausschütten. Wie erhofft hatte der strenge Lehrer beruhigende, klare Worte für ihn, so dass Fergus zum Schluss keine Angst mehr haben musste, dass der Meister sie für Lilian verlassen würde. Yukarin konnte wunderbar trösten und anschliessend hatten sie herrlich schönen Sex.
Danach wurde Yukarin jedoch wieder streng mit ihm und er bestrafte ihn dafür, dass er so an dem Meister gezweifelt hatte. Voller hingebungsvoller Reue nahm Fergus die Schläge lustvoll entgegen und genoss schreiend den Sex, der darauf folgte. Yukarin fand jedoch noch mehr Gründe, um ihn zu bestrafen. Weil er seine Arbeit mit dem Silberpolieren nicht gemacht hatte und weil er Lilian so ganz alleine mit der Arbeit zurück gelassen hatte. Ja, stimmt, das war wirklich nicht nett gewesen. Fergus entschloss sich, sich nachher ausgiebig bei Lilian zu entschuldigen. Erst einmal genoss er jedoch wonnevoll die Strafen, die es für ihn hagelte und der darauf folgende heisse Sex. Es wurde ein langer, sinnlicher Nachmittag, der Fergus alle Sorgen vergessen liess.
Am Abend schickte Yukarin ihn los, ihnen beiden etwas zu Essen zu organisieren, da sie das gemeinsame Essen verpasst hatten. Da kam Fergus in den Sinn, dass er Lilian ja noch eine Tunika hatte organisieren wollen. Rasch erklärte er Yukarin, warum er etwas länger brauchen würde und huschte anschliessend rasch aus dem Schlafzimmer, in welches sie sich aus der Bibliothek zurück gezogen hatten, bevor der Bibliothekar ihn noch einmal für seine Nachlässigkeit bestrafte. Denn dann würde er es diese Nacht nicht mehr raus aus dem Zimmer schaffen.
Nach einer raschen, aber gründlichen Dusche, trieb er in der Schneiderei eine Tunika auf, in der Lilian gemütlich würde schlafen können. Er spürte sie schon in ihrem Schlafsaal und huschte hoch zu ihr. Sie sass auf seiner Matratze und schien auf ihn zu warten. Reumütig schlich Fergus zu ihr und hielt ihr die Tunika entgegen.
"Ich war bei Yukarin", antwortete er zerknirscht, musste dann aber strahlen. "Mir geht es wunderbar. Yukarin kann sooooo gut trösten", schwärmte er geniesserisch. "Oh, aber es tut mir Leid, dass ich dich den ganzen Nachmittag so alleine gelassen habe", entschuldigte er sich gleich eifrig. "Ich wollte dich nicht die ganze Arbeit alleine machen lassen. Die Zeit bei Yukarin verflog nur so schnell und er hatte einiges klarzustellen. Er hat auch gemeint, dass ich dich nicht beim Silberpolieren hätte alleine lassen sollen. Es tut mir wirklich leid. Willst du dafür jetzt mitkommen?" bot er aufgeschlossen an. "Yukarin und ich haben das Abendessen verpasst. Ich wollte noch in die Küche gehen und uns etwas zum Essen holen. Vielleicht, wenn wir lieb und artig sind, dürfen wir dann bei ihm schlafen. Das wäre doch toll. So eine ganz kleine Pyjamaparty. Aber Yukarin ist sehr streng. Da müssen wir wirklich ganz artig sein, damit er uns bei sich bleiben lässt. Doch das wäre so schön."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:57
von Lilian
Der Weißgekleidete erklärte, dass er bei dem Bibliothekar gewesen wäre und nun ginge es ihm wieder wunderbar. Yukarin könnte so gut trösten. Lilian wusste nicht wie er darauf reagieren sollte. Er wollte auch jemanden, der ihn tröstete. Erneut spürte er die Einsamkeit in sich.
"Das ist schön, dass es dir wieder besser geht", sagte der Jüngling und nahm sich vor, Fergus nicht noch einmal zu beichten wie es ihm selbst ging. Viele der Kunstwerke schienen es ohnehin nicht verstehen zu können. Dass Lilian so unglücklich war, obwohl ihm der Adelige so viel Aufmerksamkeit schenkte. Aufmerksamkeit, die jetzt manche andere in der Villa nicht mehr erhielten. Lilian hatte nicht geahnt, was dies alles für Folgen nach sich ziehen würde und dass er womöglich deshalb weniger gemocht werden würde. Er hatte diese Aufmerksamkeit nicht gewollt. Er hatte nichts hiervon gewollt.
Fergus entschuldigte sich, dass er Lilian den Nachmittag alleine gelassen und ihm beim Silberpolieren nicht mehr geholfen hätte.
"Ich hab nicht alles geschafft", sagte der zierliche Jüngling dazu. Fergus hatte anscheinend die Zeit bei diesem Yukarin vergessen bis dieser ihn erst wegen dem Besteck polieren gerügt hätte. Das hatte der Bibliothekar getan? Das klang aufmerksam. Trotzdem wirkte Lilian eher entsetzt, als Fergus ihn fragte, ob er nun mit ihm zu Yukarin kommen wollte. Er sollte bei einem Blutigen schlafen??
Zwar hatte Lilian auch noch nichts zu Abend gegessen, doch lieber ging er hungrig zu Bett, als zu diesem Yukarin zu gehen. Fergus meinte auch, dass sie bei dem Blutigen extra lieb und artig sein müssten, da er sehr streng sei. Nur wäre eine Pyjamaparty doch so schön.
"Ich weiß nicht...", begann der Jugendliche zögerlich und überlegte wie er ablehnen konnte ohne dass Fergus wieder geknickt wurde, "Ich kenne Yukarin doch gar nicht. Ich bleibe lieber hier..." Obwohl er sich in dem Schlafsaal genauso unwohl fühlte. Aber hier war kein Blutiger. Noch nicht..
"Du Fergus, die Blutigen, die kommen doch nachts nicht in diesen Schlafsaal oder?", versuchte Lilian sich zu beruhigen. "Ich weiß auch gar nicht wo ich hier liegen kann.. ich hab keine Decke und kein Kissen." Hoffentlich konnte Fergus ihm da aushelfen. Der Jüngling strich sich unbehaglich über den Arm. Sein Magen grummelte leise.
Wenn nun Fergus die Nacht bei Yukarin verbrachte... das bedeutete, Lilian kannte hier niemanden. Und Aerys war immer noch nicht aufgetaucht, um ihn zurückzuholen. Musste Lilian nun für immer hier schlafen?
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:57
von Fergus
"Natürlich nicht", schüttelte Fergus verstehend seinen Kopf, als Lilian meinte, dass sie nicht alles geschafft hätte. "Dazu war es doch viel zu viel Besteck. Ich mache den Rest morgen. Keine Sorge. Das kriege ich schon rechtzeitig fertig." Es war ja noch ein Weilchen hin bis zum grossen Essen zu Ehren des Geburtstages des Meisters. Aber erstmal wollte er noch etwas essen und natürlich unbedingt zu Yukarin, wenn er schon so lange bei ihm bleiben durfte. Um Lilian aber nicht schon wieder alleine zu lassen, lud er sie ein, mitzukommen.
Seltsamerweise blickte Lilian ihn daraufhin ganz merkwürdig an. Fergus verstand nicht so ganz warum. Es war doch lieb gemeint gewesen und auch ehrlich. Er sagte das nicht nur so, um höflich zu sein. Lilian war jedoch sehr zögerlich und liess sich nicht so rasch begeistern. Fergus überlegte sich, ob sie einfach nur schüchtern war, weil sie Yukarin doch noch gar nicht kennen würde.
"Na, dann ist es höchste Zeit, dass du ihn kennenlernst", lächelte Fergus aufmunternd und gab sich nicht so schnell geschlagen mit seiner Einladung. "Yukarin ist wunderschön und sehr klug. Du wirst ihn sicher auch mögen." Lilian wollte jedoch lieber wissen, wo er liegen könne und meinte unwohl, dass er gar keine Decke oder Kissen hätte. Vorallem machte er sich jedoch Sorgen, dass die Blutigen nachts in diesen Schlafsaal kommen würden.
"Ach, du kannst dich hinlegen, wo du magst", bot Fergus offen und ohne nachzudenken an. "Das ist hier nicht so streng geregelt wie in den Zimmern der Blutigen. Wähl einfach eine Matratze aus und nimm das nächst beste Kissen und eine Decke. Es findet schon immer jeder ein Plätzchen und Decken und Kissen liegen auch genügend herum. Ansonsten hat es draussen in den Truhen noch mehr davon." Locker zuckte er mit den Schultern. Die Bettsachen gehörten hier alle allen.
"Ob einer der Blutigen diese Nacht in den Schlafsaal kommt oder nicht, kann ich nicht sagen", überlegte er nachdenklich. "Ich hatte ja keine Zeit, mich umzuhören. Kastor habe ich vorhin noch in den Gängen gesehen. Kann gut sein, dass er nachher noch hochkommt. Er kommt fast jede Nacht in diesen oder den anderen Schlafsaal. Er mag es, unter uns hübsche Blumen zu kommen, wie er so süss sagt", grinste Fergus. Als er Lilians Magen leise grummeln hörte. Da musste er lachen.
"Oh, du scheinst ja auch noch Hunger zu haben", stellte er mitfühlend und fröhlich fest. "Na, komm erstmal mit in die Küche, wo wir uns etwas Essen suchen gehen." Sanft fasste er Lilian an ihrer freien Hand und zog sie behutsam mit sich. "Mit leerem Magen schläft sich schlecht. Du bist ohnehin viel zu dünn. Ausserdem gibt mir das mehr Zeit, dich zu überreden, mit zu Yukarin zu kommen." Verschmitzt zwinkerte er ihr zu.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:58
von Lilian
Fergus beruhigte ihn, dass das Besteck nicht bis morgen alles poliert werden müsste. Er würde morgen daran weiter arbeiten und rechtzeitig bis zum Geburtstag fertig bekommen.
"Ich wusste nicht genau wie es gut geht. Ich glaub, ich hab zu lange gebraucht", befürchtete Lilian. Wieso musste für den Geburtstag überhaupt so viel Besteck poliert werden? Ob es eine sehr große Festtafel wurde? Mit Besuch von außerhalb? Allerdings hatte Aerys gesagt, dass er lieber unter sich war und es gerne ruhiger hatte. Es hatte nicht so geklungen, als hätte er viele Freunde, die er zu so einem Anlass hätte einladen können. Eigentlich war das schade. Nur hatte der Adelige ja auch seine vielen Kunstwerke, damit er nicht einsam wurde.
Lilian vergaß die Gedanken an Aerys für den Moment, als Fergus ihn damit erschreckte, dass er ihn zu einer "Pyjamaparty" bei Yukarin einlud. Dem Jugendlichen fiel nicht im Traum ein, freiwillig eine Nacht mit einem Blutigen zu verbringen. Er kannte diesen Yukarin ja auch nicht und Fergus erzählte sehr viel widersprüchliches über ihn. Er könne sehr gut trösten, aber er war auch unglaublich streng.
Fergus ließ sich leider nicht so schnell abwimmeln und meinte, dass es höchste Zeit wäre, dass Lilian den Bibliothekar kennenlernen würde. Er würde ihn mögen. "Ich weiß nich...", zögerte der Junge und zupfte an seinem Leinenkleid. Lieber wollte er hier im Schlafsaal bleiben. Nur kannte er die Regeln nicht und wusste nicht, ob er sich einfach irgendwo hinlegen konnte. Fergus hatte da weniger Bedenken. Es wäre nicht streng gelegt wie in den Zimmern der Blutigen. Gabs für die auch einen Schlafsaal, fragte sich Lilian. Aber Javier hatte ja sein eigenes Zimmer... nein, so genau wollte Lilian es nicht wissen. Höchstens damit er einen großen Bogen um diese Zimmer machen konnte.
"Ich möchte niemanden den Platz wegnehmen", gab der junge Krieger zu Bedenken. Er würde sich lieber eine Decke aus dieser Truhe nehmen.
Leider war dies das geringste Problem, denn Fergus erzählte locker, dass Kastor fast jede Nacht in einen der zwei Schlafsäle käme. "Er mag es, unter uns hübsche Blumen zu kommen, wie er so süss sagt", gab der Weißgekleidete grinsend wieder. Wie konnte er das süß finden? Lilian blickte ihn blass an. Er war keine Blume und erst recht nicht für Kastor! Wenn der Blutige nun schon heute in den Saal kam? Und dann? Würde er sich neben einen legen und einen anfassen? Nein, Aerys hätte das bestimmt nicht erlaubt. Sicher war Lilian sich jedoch nicht.
Als Lilians Magen leise grummelte, bekam Fergus dann auch noch mit, dass der Junge ebenfalls Hunger hatte und zog ihn sofort mit sich aus dem Saal. Sie könnten sich in der Küche etwas zu Essen besorgen. Überrumpelt stolperte Lilian dem älteren Krieger hinterher.
"Ich hatte kein Abendessen", gab er zu. Fergus befand, dass er viel zu dünn wäre. Das wusste Lilian nicht. Er war schon immer zierlicher als andere Männer gewesen. Nun wurde ihm das hier zum Verhängnis. Fergus wollte die Zeit in der Küche nutzen ihn zu überreden, zu Yukarin zu kommen.
"Ich möchte eigentlich keinem der Blutigen begegnen", wandte Lilian ein, während er sich bemühte den Saum des Kleides hochzuziehen. Es war so schwierig in dem Kleid zu gehen. Wenn er es nur zerreißen könnte... "Ich hab Angst, sie tun mir weh", vertraute er Fergus an. "Dieser Yukarin... würde der einem weh tun?", fragte er, während sie zur Küche gingen. Lilian wusste nicht was er tun sollte. Es im Schlafsaal riskieren oder mit Fergus mitgehen? Wo würde er eher heil die Nacht überstehen? Und würde Aerys das überhaupt zulassen, dass ihm etwas angetan wurde? Bedeutete es das, wenn er sagte, es gäbe keine Sonderbehandlungen mehr? Vielleicht hatte es Aerys auch nicht ernst gemeint...
Lilian folgte Fergus sehr unsicher.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:58
von Fergus
"Waaas? Du wolltest ohne Abendessen ins Bett", fragte Fergus entsetzt. "Nein, das geht doch nicht. Das ist doch unangenehm." Er war jetzt fest entschlossen, Lilian mit sich nach unten in die Küche zu nehmen. Wenigstens etwas zu Abendessen sollte er noch zu sich nehmen. Wenn er schon nicht mit zu Yukarin kommen wollte. Lilian kam auch gleich unbeholfen mit ihm mit. Sie schien schon Hunger zu haben. Aber wegen dem Kleid konnte sie nur langsam gehen, erinnerte sich Fergus, weswegen er wieder seinen Schritt an sie anpasste.
"Marlin hat das auch nicht gern", nickte Fergus verstehend. Während sie nach unten gingen, erklärte Lilian ihm, dass er eigentlich keinem der Blutigen begegnen wollte. Weil er Angst hatte, sie würden ihm weh tun. Marlin hatte davor auch Angst. Fergus konnte es nicht so recht verstehen. Er liebte es, wenn die Haut brannte. Aber er konnte akzeptieren, dass es anderen eben ander erging.
"Ja, schon", gab er deswegen offen und ehrlich zu, ob Yukarin einem auch wehtun würde. Auch wenn das nicht unbedingt ein Argument war, Lilian dazu zu überreden, mit ihm gemeinsam eine Nacht bei dem strengen Bibliothekar zu verbringen. Doch anlügen wollte er Lilian auch nicht. "Besonders wenn man unhöflich oder ungehorsam ist. Dann greift er gerne zur Rute oder ähnlichem. Aber wenn man anständig ist, dann ist auch Yukarin ganz lieb mit einem und bleibt ganz langweilig. Er ist nicht so wie Javier, der einem gerne von sich aus etwas trietzt oder Kastor, der die Gewalt liebt. Doch keine Sorge, wem auch immer du begegnen magst, keiner der Blutigen wird dir mehr Schmerz zufügen, als du ertragen kannst", versicherte er Lilian lieb, die das vielleicht ja noch gar nicht wusste, wo sie doch noch so neu hier war. "Auch Turgor nicht. Ja, noch nicht einmal Alazier, der manchmal wirklich sehr furchteinflössend sein kann."
Während des Plauderns waren sie hinunter zur Küche gelangt. Der Koch war nicht mehr da. Nur noch einige Kunstwerke, die heute Küchendienst hatten und den letzten Rest aufräumten und sauber machten. Als sie Fergus sahen, grinsten sie einander an und meinten, dass sie sich schon gedacht hätten, dass er noch kommen würde. Der Krieger grinste verlegen, dass er mal wieder ein Abendessen verpasst hatte. Lilian hingegen wurde eher neugierig gemustert.
"Lilian und ich wollten Yukarin noch etwas zu essen hochbringen", erklärte Fergus zufrieden, obwohl Lilian dem noch gar nicht zugestimmt hatte. Aber was noch nicht war, konnte ja noch werden. "Er hat auch noch nichts gegessen. Können wir drei noch etwas zu essen kriegen, bitte?" Die anderen Kunstwerke lachten. Eines zerzauste ihm sein Haar, doch dann bekam er zugesichert, dass sie noch drei Teller mit Lasagne aufgewärmt bekämen. Einer der Krieger wollte ihnen dreien sogar noch einen kleinen, frischen Salat machen, während ein anderer ihnen schon Limonade aus dem Kühlschrank holte. Fergus bedankte sich herzlich bei allen und suchte sich ein Tablett, Besteck, Geschirr und Servietten zusammen.
"Na, bist du sicher, dass du nicht mitkommen willst?" fragte er Lilian lockend, während die Lasagne aufgewärmt wurde. "Es riecht doch köstlich. Es wäre doch schade, wenn du das ganz alleine essen müsstest."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:59
von Lilian
Der Weißgekleidete war ganz entsetzt und beharrte, dass Lilian nicht hungrig ins Bett könne. Das wäre ja unangenehm. Ja, das wusste Lilian selbst, doch er hatte es eigentlich vermeiden wollen mit Fergus zu Yukarin zu gehen. Viel lieber hätte er nach Darion gesucht, um ihn nach der Feier zu fragen und wie es ihm ginge. Lilian wollte nicht mehr als nötig mit den Blutigen Bekanntschaft schließen. Als er Fergus dies anvertraute, meinte dieser nur, dass Marlin es auch nicht mögen würde, wenn ihm die Blutigen weh taten.
"Wem gefällt das denn?", fragte Lilian verwirrt. Wer mochte es, wenn man einen quälte und missbrauchte? Gefiel Fergus das etwa, wo er auch schon so davon geschwärmt hatte wie Javier ihm den Hintern versohlte? Der unerfahrene Jugendliche konnte sich das kaum vorstellen. Aerys' Kläpse auf sein Hinterteil waren sehr verwirrend gewesen und Lilian wusste weiterhin nicht wieso sein Körper so darauf... reagiert hatte, doch an den morgendlichen Schlägen ins Gesicht war nichts verwirrend gewesen. Lilian hatte sehr klare Gefühle über diese Schläge. So etwas wollte er nicht mehr erleben und dass ausgerechnet Aerys ihm dies wieder angetan hatte...
Fergus erschreckte ihn mit einer weiteren unschönen Nachricht. Nämlich, dass Yukarin einem auch weh tun würde.
"M-mir auch?", fragte der Junge mit heller, furchtsamer Stimme. "Trotzdem willst du zu ihm?"
Der Weißgekleidete erwähnte sogar eine Rute und Lilian war sich da ganz sicher, dass er das nicht erleben wollte. Wenn Aerys die Rute zur Hand nahm, hieß das immer, dass Lilian den Bogen überspannt hatte und sich nichts mehr herausnehmen durfte. Heute Morgen hatte es dieses Warnsignal nicht gegeben.
Der Jüngling wusste auch nicht, wie genau man lieb und anständig bei dem Blutigen sein müsste. Ob das vielleicht hieß, dass man so Sachen mit sich machen lassen musste... das wäre auch nicht besser, als dass Kastor in den Schlafsaal kam.
"Der klingt überhaupt nicht langweilig", wagte er leise zu sagen.
"Doch keine Sorge, wem auch immer du begegnen magst, keiner der Blutigen wird dir mehr Schmerz zufügen, als du ertragen kannst", versuchte Fergus ihn wohl zu beruhigen, aber Lilian fühlte sich nicht beruhigt. Auch jetzt hatte er die Schultern angespannt zusammengezogen. Er wusste nicht wie er sich in der Villa jemals entspannen und wohl fühlen sollte.
"Aber die kennen mich doch alle nicht", wollte er das nicht glauben, "Die wissen nicht wieviel Schmerz ich aushalten kann. Ich möchte überhaupt keine Schmerzen ertragen müssen", wehrte er ab.
"Und Alazier hat versucht mich zu ertränken..." Kurz musste er an den Moment denken, wo Alazier ihn unter Wasser gedrückt gehalten hatte. Viel zu lange. Der Kriegerprinz hätte ihn beinahe getötet.
Sie gelangten in die Küche, wo sich noch ein paar Männer aufhielten und einige Anrichten aufräumten. Sie wunderten sich nicht darüber, dass Fergus noch später auftauchte. Lilian wusste nicht wie er auf die musternden Blicke reagieren sollte. In dem langen Kleid kam er sich wie verkleidet vor. Entsprechend betreten sah er zu Boden.
Er blickte erst wieder erschrocken auf, als Fergus einfach so behauptete, dass Lilian mit zu Yukarin kommen würde. He, er hatte nicht zugestimmt. Nur gegen etwas zu Essen hätte er nichts einzuwenden. Erst recht nicht als der Jugendliche hörte, dass es Lasagne gäbe. Das hatte er zum ersten Mal hier gegessen, als Aerys einmal eine ganze Reihe an hayllischen Spezialitäten bestellt hatte. Wohl um Lilian das neue Leben schmackhaft zu machen. Es hatte nur ein bißchen funktioniert, aber Lasagne war lecker. Die Küchengehilfen richteten sogar einen Salat dazu an und brachten ihnen gekühlte Limonade.
Während die Lasagne erwärmt wurde und Fergus schon das Tablett vorbereitete, versuchte er ihn noch einmal zu überreden, ob er nicht mitkommen wollte.
"Ich möchte keine Schläge.. oder was anderes", sagte Lilian leise. Zögerlich blickte er Fergus an und rückte etwas näher, damit es nicht alle hörten. "Was machst du denn bei dem?", fragte er, "Mit ihm.. s-schlafen? Ich will nicht... ich weiß nicht, was Aerys den Blutigen erlaubt hat, aber... ich möchte nichts davon."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 19:59
von Fergus
"Hm, ja, ich denke schon", nickte Fergus auf Lilians erschreckte Frage, ob Yukarin ihm auch weh tun würde. "Wenn du unartig warst." Er grinste. "Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass du unartig sein könntest." Dazu wirkte Lilian viel zu süss und zu lieb. "Natürlich will ich zu ihm. Yukarin ist so toll. So schön und faszinierend und spannend. Mir machen etwas Schmerzen auch nicht so viel aus." Locker zuckte er mit seinen Schultern. "Im Gegenteil, so ein bisschen Feuer unter dem Hintern find ich ganz heiss. Nicht so krass wie zum Beispiel Terim oder Darion das mögen. Aber so den Hintern versohlt zu bekommen ist wirklich scharf. Ich kann gar nicht verstehen, warum du das nicht magst." Lilian musste es ja auch nicht mögen. Deswegen versicherte er ihr auch gleich, dass ihr niemals mehr Schmerzen zugefügt werden würde, als sie vertragen könne.
"Oh, das ist gar kein Problem", winkte Fergus unbesorgt ab, als Lilian besorgt meinte, dass die Blutigen sie ja gar nicht kennen würden und deswegen gar nicht wissen konnten, wieviel Schmerz sie vertrug oder eben nicht. "Das kann man ganz leicht an deinem Körper ablesen. Daran, wie er reagiert und sich anspannt. Wir alle sind gut geschult und können das ohne weiteres erkennen. Auch bei vollkommen fremden Menschen." Lilian schien das nicht so recht glauben zu können und hielt dagegen, dass Alazier versucht hätte, sie zu ertränken.
"Ja, davon habe ich gehört", nickte Fergus. "Wir waren alle ganz überrascht, dass Alazier dermassen unbeherrscht war. Ich glaube aber, dass das nichts damit zu tun hatte, dass er dir mehr wehtun wollte, als du vertragen konntest. Ich glaube eher, das lag daran, dass er ein Kriegerprinz ist und seine Natur mit ihm durchgegangen ist. Weil..." Vertraulich kam er näher zu Lilian und hielt sich den Finger über die Lippen. "... pssst, nicht weiter sagen, aber ich glaube, Alazier hat Darion unheimlich lieb. Auch wenn er das niemals zugeben würde."
In der Küche half man ihm gerne, noch etwas zum Abendessen zu bekommen. Während Lilian und er gemeinsam darauf warteten, fragte Fergus sie, ob sie sich sicher war, dass sie nicht mit zu Yukarin kommen wollte. Diese kam auf einmal aufregend nah und flüsterte ihm zu, dass sie keine Schläge wollte oder anderes.
"Dann musst du einfach ganz höflich und superanständig sein", nickte Fergus verstehend. "Dann hat Yukarin auch keinen Grund dazu, dich zu bestrafen." Im Gegensatz zu ihm würde Lilian das sicherlich kinderleicht fallen. Neugierig wollte sie jedoch wissen, ob Fergus heute Abend noch einmal Sex mit Yukarin haben würde. Das würde sie selber nicht wollen und sie wisse auch nicht, ob der Meister das den Blutigen überhaupt erlaubt hätte.
"Oh, wenn Yukarin noch einmal mag, würde ich liebend gern noch einmal mit ihm schlafen", schwärmte Fergus versonnen und gar nicht so leise wie Lilian ihn vorhin deswegen angesprochen hatte. Dazu sprach er viel zu gern über sein Lieblingsthema. "Er fühlt sich soooo gut an." Einige aus der Küche nickten zustimmend und Fergus fühlte sich bestätigt, lächelte selig. "Ah, aber ich glaube nicht, dass er noch einmal mag", kam es ihm in den Sinn und er seufzte betrübt. "Wir hatten heute schon so viel Sex. Yukarin ist zwar sehr fit, aber irgendwann wird auch er müde. Aber wer weiss, vielleicht nach einem leckeren, stärkenden Stück Lasagne... Oh, was meintest du eigentlich damit, dass du nicht weisst, was der Meister den Blutigen erlaubt hat?"
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:00
von Lilian
Als Lilian furchtsam nach Yukarin fragte, begann Fergus auch noch über diesen Blutigen zu schwärmen, wie spannend und schön er sei. Ihm würden ein wenig Schmerzen nichts ausmachen. Etwas davon wäre ja auch heiß. Besonders den Hintern versohlt zu bekommen. Lilian errötete prompt, als Fergus das erneut erwähnte, doch vor allem war der unerfahrene Jüngling verwirrt und eingeschüchtert.
"Ich mag das eben nicht", wehrte Lilian ab. Dass er überhaupt erklären musste, dass er keine Schmerzen mochte. Und Terim und Darion mochten noch viel mehr Schmerzen als Fergus? Lilian verstand das alles immer weniger.
"Ich möchte nicht wieder missbraucht werden...", gestand er dem Weißgekleideten. Lilian wusste nicht was bei diesem Yukarin bereits als unständig galt. Aerys wurde auch manchmal unzufrieden oder gar wütend, obwohl Lilian nicht genau wusste weswegen oder was an seinem Verhalten so schlimm gewesen war. Wie sollte er das bei dem Bibliothekar einschätzen, den er im Gegensatz zu Aerys nicht kannte?
Wieso wollte Fergus unbedingt zu Yukarin? Lilian hätte viel lieber zu zweit mit dem Weißgekleideten Lasagne gegessen. Ohne einen Blutigen dabei. Dass die genau wüssten wie weit sie mit den Schmerzen gehen dürften, beruhigte Lilian nicht im mindesten. Sie kannten ihn nicht. Sie würden vielleicht nicht so viel Geduld und Rücksicht wie Aerys haben. Manchmal war der Adelige eben doch geduldig und rücksichtsvoll, musste Lilian zugeben.
Fergus hatte auch eine Erklärung wie Blutige die Grenzen ihrer Opfer erkannten. Nämlich am Körper. Daran würden sie Reaktionen ablesen und wissen wieviel man vertrug. "Ich will keine Schmerzen. Egal, ob mein Körper sie verträgt oder nicht", beharrte Lilian. Und manchmal kümmerte die Blutigen das auch nicht. So wie Alazier, der versucht hatte ihn zu ertränken. Fergus vermutete, dass es an der Kriegerprinzennatur lag und sich Alazier nicht hatte beherrschen können. Dann flüsterte Fergus ihm zu, dass er glaubte, Alazier hätte Darion lieb.
Lilian nickte. "Ja..", wisperte er zurück, "Das glaube ich auch." Und Darion hatte auch Alazier lieb, doch der Krieger hatte Lilian gebeten, nichts davon zu sagen, weswegen er es für sich behielt.
Er wünschte sich, Darion wäre hier. Mit dem hätte Lilian viel lieber zu Abend gegessen, als nun in dieser unangenehmen Situation zu stecken. Das war bestimmt auch zu gierig und vermessen, befürchtete der Jugendliche. Er war froh, dass sich mit Fergus wenigstens irgendeiner um ihn kümmerte. Auch wenn dieser ihn mit zu einem Blutigen schleppen wollte.
Der Weißgekleidete ermunterte ihn und dass er einfach sehr anständig sein müsse, dann würde Yukarin ihn auch nicht bestrafen. Lilian machte sich aber nicht nur wegen einer drohenden Strafe Sorgen. Unsicher versuchte er in Erfahrung zu bringen, ob die beiden Sex miteinander haben würden. Und da sollte Lilian dabei sein? Nein, auf keinen Fall.
Nur schwärmte Fergus gleich wieder und dass er nochmal mit Yukarin schlafen wollte. Nochmal? Lilian bekam heiße Wangen bei diesem intimen Geschwärme. Er hatte nicht wissen wollen, dass Fergus heute ganz viel Sex mit dem Blutigen gehabt hatte. Etwa da, als Lilian alleine Besteck gereinigt hatte? Er hatte gedacht, Yukarin würde Fergus trösten...
Zunächst glaubte Fergus fast niedergeschlagen, dass der Bibliothekar heute keine Energie mehr hätte ehe er gleich darauf hoffte, nach einem stärkenden Stück Lasagne würde es eventuell wieder gehen.
"Ich glaube, ich möchte nicht mitkommen. Es tut mir leid, Fergus..", wehrte Lilian hastig ab. Das war ihm zu gefährlich. "Ich weiß nicht, was Aerys den Blutigen erlaubt hat.. ich meine, mit mir", nuschelte er. Vorsichtig blickte er sich um. Wieso musste Fergus so laut über dieses.. Thema sprechen? Alle in der Küche bekamen es mit.
"Was die mit mir machen dürfen.. zuerst hat er ihnen verboten mich anzufassen, aber jetzt beim Streit hat er gesagt, es gäbe keine Ausnahmen mehr für mich und nun weiß ich nicht was passieren wird...", Lilian zögerte nachdenklich, "Ich glaube nicht, dass er mir das antut. Wo wir doch auch nicht mehr intim... ehm..." Er stockte. Nein, er wollte nichts davon sagen. "Ich glaube nicht, dass Aerys das will. Nicht wirklich." Es musste einfach so sein. Ein Rest Unsicherheit blieb trotzdem.
"Ich esse lieber hier in der Küche", lehnte Lilian den Besuch ab. Und dann würde er zusehen, dass er irgendwo in der Villa ein sicheres Versteck fand. Er würde nicht wieder in den Schlafsaal gehen und sich Kastor aussetzen.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:00
von Fergus
Der Krieger nickte gewichtig und fühlte sich darin bestätigt, als Lilian zurück flüsterte, dass sie auch glaubte, dass Alazier Darion sehr lieb hatte. Leider war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn Lilian wollte nicht mit zu Yukarin kommen. Trotzdem hatte sie noch eine Menge Fragen. Wie Yukarin denn so war und worauf er stand. Allerdings war sie zu schüchtern, um ihn selber kennen zu lernen. Egal wieviel Mühe Fergus sich gab, Yukarin anzupreisen. Schlussendlich wehrte sie doch ab, dass sie nicht mitkommen mochte. Es täte ihr leid. Fergus schüttelte seinen Kopf.
"Nein, das muss dir nicht leid tun", beteuerte er lieb. "Wenn du nicht mitkommen magst, will ich dich nicht zu etwas zwingen, was du nicht möchtest. Auch wenn es schade ist, dass du nicht willst. Du verpasst bestimmt etwas."
Lilian wollte trotzdem nicht mitkommen. Schon nur weil sie nicht wusste, was der Meister alles erlaubt hätte. Was die Blutigen mit ihr tun durften und was nicht. Es dauerte einen Herzschlag lang, bis Fergus begriff, dass Lilian Sex meinte. Sie drückte sich diesbezüglich etwas umständlich aus. Der Meister hatte nämlich ursprünglich verboten, dass die Blutigen sie anfassten. Allerdings hatte er auch im Streit gesagt, dass es für Lilian nun keine Ausnahmen mehr gäbe. Deswegen wisse sie jetzt nicht, was passieren würde. Ah, deswegen wohl auch die vielen Fragen nach Yukarins Vorlieben und Verhalten.
Sie fuhr fort, dass sie aber glaubte, dass der Meister trotz seiner Worte nicht wollte, dass jemand ihm das antäte. Antäte? Meinte Lilian, dass der Meister nicht wollte, dass Lilian noch mit wem anderen Sex hatte. Weil sie selber doch auch nicht mehr intim miteinander wären. Diesmal dauerte es noch länger, bis Fergus begriff, was Lilian ihm da sagen wollte. Einfach nur deshalb weil es absolut unglaublich war.
"Waaaas?" fragte er aus allen Wolken fallend. "Der Meister und du ihr habt keinen Sex mehr miteinander?" Abrupt verstummte alles Geklapper und andere Geräusche in der Küche, weil die anderen Kunstwerke diese überraschte Frage natürlich auch gehört hatten und wissen wollte, ob das stimmte. "Warum denn nicht? Aber der Meister ist doch dauernd bei dir. Was macht ihr denn die ganze Zeit über miteinander?"
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:04
von Lilian
Er hatte extra leise geredet und sich nur vage ausgedrückt, doch Fergus verstand all diese subtilen Hinweise nicht und platzte laut damit heraus, ob der Meister und Lilian keinen Sex mehr miteinander hätten. Jeder in der Küche hatte das gehört. Vermutlich noch in angrenzenden Räumen. Lilian war das entsetzlich peinlich.
"Schh... leise, Fergus", versuchte er es noch aufzuhalten, doch die anderen Kunstwerke waren bereits neugierig näher gekommen, umringten sie beide und bestürmten Lilian mit Fragen, ob das wirklich wahr sei, wann sie zuletzt hatten und was er damit überhaupt meinte. Keinen Sex zu haben, schien für die Männer unvorstellbar. Auch Fergus wollte wissen wieso Lilian denn nicht mit dem Adeligen schlief, wo dieser auch ständig bei ihm wäre. Was sie denn stattdessen machen würde.
Nervös und verlegen blickte der zarte Jüngling zwischen den neugierigen Männern hin und her. "Ich weiß nicht, ob ich darüber reden sollte", druckste er. Wieso musste Fergus das alles so laut herausposaunen? Zwar hatte der Weißgekleidete endlich nicht mehr versucht ihn zu überreden mit zu Yukarin zu kommen, doch wenn er nun dem Blutigen auch noch erzählte, dass Lilian keinen Sex hatte? Wenn die Blutigen das als Anlass sahen ihn dazu zu zwingen? Würde es Aerys verhindern? Aber vielleicht wollte ihn der Adelige weiterhin bestrafen und ihm weh tun. Wofür? Weil Lilian sich für das falsche gefreut hatte? Er wollte zu Aerys und mit ihm darüber reden.
"Wir... lernen uns kennen", beantwortete er dann doch eine der vielen Fragen ausweichend. War das so unverständlich, dass Aerys nicht wegen dem... Sex bei ihm war? Marlin und Terim hatten von ganz unterschiedlichen Erlebnissen erzählt, nachdem sie ihr erstes Mal mit dem Prinzen gehabt hatten. Dass sie danach ganz oft und lange...
Aerys hatte ihn zum Glück nicht dazu gezwungen. Abgesehen von einigen intimen Berührungen... sehr intim. Und manchmal aufregend. Lilian saugte an seiner sinnlich sanften Unterlippe.
"Bitte erzählt das nicht herum", bat er, vermutlich vergeblich. Javier und Lucero hatten ihn auch wegen des Ausfluges ausgefragt und waren sehr erstaunt gewesen, dass Lilian keine weiteren Erfahrungen in der Richtung gemacht hatte. Dabei war der Jüngling sehr froh, dass Aerys solche Geduld hatte. Er hatte gesagt, sie würden gemeinsam entdecken wie es zwischen ihnen funktionieren könnte und was ihnen beiden gefiel. Doch davon wollte er den Weißgekleideten nichts sagen. Die Worte waren kostbar und sehr selten, das begriff Lilian auch allmählich. Es war eine Sonderbehandlung. Eine Ausnahme. Aber warum bekam er eine und die anderen nicht? Hatte Aerys ihn... anders gern? Nein, er hatte ihn geschlagen... Lilian war unsicher.
"Ich.. sollte davon nichts sagen", wehrte er ab, "Aerys hat schon was mit mir gemacht.. I-intimes", gab er stockend zu. Auch in der Hoffnung, dass dann die Fragen aufhörten, weil die anderen wohl eher damit vertraut waren.
Da ertönte plötzlich eine kräftige Stimme, was denn hier für ein Aufruhr wäre. Erschrocken sah Lilian zur Türe. Ausgerechnet Kastor betrat die Küche und wollte wissen, worüber sie plapperten. Der Junge wurde rot und hätte sich am liebsten versteckt. Es wurde noch schlimmer, als Kastor rief, dass er etwas essen wollte. Hier in der Küche?
Lilian wollte auf keinen Fall bei Kastor sitzen. Sowohl Marlin, als auch Terim und nun Fergus hatten ihm schreckliches über den gewalttätigen Mann erzählt.
"Fergus?", flüsterte er ängstlich, "Kann ich doch mit dir mit? Jetzt?", drängte er. Oh, hoffentlich war die Lasagne fertig.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:06
von Fergus
"Oh, war das ein Geheimnis?" fragte er verblüfft, als Lilian ihm ganz aufgeregt zuflüsterte, dass er leise sein solle. Nun war es aber schon zu spät. Er hatte schon herausposaunt, dass der Meister und Lilian keinen Sex miteinander hatten. Das war viel zu überraschend, als dass er noch daran hätte denken können, dass das womöglich geheim war. Auch die anderen Kunstwerke, welche gerade in der Küche arbeiteten, konnten nicht glauben, dass das stimmte. Aufgeregt kamen sie näher und wollten mehr darüber wissen. Auch Fergus brannten viele Fragen unten den Nägeln. Die Küchenarbeit war jedenfalls erstmal vergessen.
"Warum sollten wir nicht darüber sprechen?
"Ihr lehrt euch kennen?"
"Awww, so romantisch. So wie in einem Liebesroman."
"Deswegen auch der Streit?"
"Dann wird die Versöhnung dafür um so schöner."
"Etwas Intimes? Was denn?"
"Magst du es uns nicht verraten?"
"Wir plaudern es auch nicht aus, wenn du nicht magst."
So schnatterten alle wild aufgeregt durcheinander und freuten sich über Lilians aufmerksamkeit und dass sie mit ihnen sprach. Vor lauter Freude vergassen sie allerdings etwas, sie auch zu Wort kommen zu lassen. So stand Lilian nur mit hochrotem Kopf zwischen ihnen, während sie ihn fröhlich ausfragten und sagte gar nicht viel. Als unverhofft Kastor in die Küche trat und laut fragte, was denn hier los sei. Er hätte noch Hunger. Sofort schracken alle auf und die Kunstwerke stieben davon, um dem kräftigen Krieger noch eine zweite Mahlzeit zu organisieren. Auch Fergus war sofort auf den Beinen und wollte nach der Lasagne sehen, nach der es in der Küche schon herrlich duftete. Da war auf einmal Lilian ganz dicht bei ihm und fragte ihn flüsternd, ob er nun doch mit ihm mit könne. Jetzt.
"Aber klar", strahlte Fergus Lilian glücklich an, ohne zu begreifen, woher der plötzliche Sinneswandel kam. "Das wird toll. Du wirst sehen." Freundschaftlich legte er ihr einen Arm um die Schulter und drückte sie sachte an sich. Derweil wurde die Lasagne aus dem Ofen geholt und auf vier Teller verteilt. Drei davon und eine Schüssel mit frischem Salat wurden Fergus aufs Tablett gestellt. Kastor blickte sie fragend und vorallem auch neugierig an, während Lilian sich lustigerweise hinter ihm versteckte.
"Wir bringen Yukarin sein Abendessen", erklärte Fergus zufrieden. Der andere Krieger grinste dreckig, sagte aber nichts, sondern machte sich über sein eigenes Stück Lasagne her. Bevor Fergus Lilian darum bitten konnte, ihm die Tür aufzuhalten, tat diese es schon von selbst, so dass sie ganz plötzlich, ganz schnell aus der Küche waren. Dabei hatte er gar nicht richtig für das verspätete Abendessen danke sagen können. Egal. Das würde er morgen tun. "Oh, ich freue mich, dass du trotzdem mitkommen magst, Lilian", lächelte er fröhlich. "Yukarin wird sich auch freuen. Wir müssen noch nicht einmal in sein Zimmer im anderen Flügel gehen. Er ist bei dem Salon- und Schlafzimmer ganz in der nähe der Bibliothek. Es ist nicht weit. Und auch nicht im dritten Stock, wie unser Schlafsaal."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:06
von Lilian
Fergus wunderte sich, dass es ein Geheimnis gewesen war. Natürlich. Es war doch privat und vertraulich. Lilian wurde wieder einmal daran erinnert, dass es das nicht mehr gab für ihn. Privatsphäre. Er hatte keinen Rückzugsort. Vielleicht seine Zimmer... doch die wurden schnell zu einem Gefängnis, wo er für den Adeligen eine Hürde nach der anderen nehmen musste. Es war so schwer mit ihm umzugehen.
Überfordert hörte er all den neugierigen Fragen der Weißgekleideten in der Küche zu, die es zunächst nicht richtig verstanden, wie Lilian das mit dem Kennenlernen meinte ehe sie schmachteten, dass es ja so romantisch wäre und wie in einem Liebesroman. Lilian sah sie unsicher an.
"Ich weiß nicht..." Aerys hatte sich zu Beginn darüber lustig gemacht, dass Lilian ihn besser hatte kennenlernen wollen. So etwas gäbe es nur in Liebesromanen, dass man zunächst redete bevor man Sex hatte. Der Jugendliche war zwar unerfahren, aber diese komische Ansicht hatte er nicht akzeptieren wollen. Er glaubte schon, dass es half, dass sie sich besser kannten. Natürlich wollte Lilian keine Liebesbeziehung mit dem Mann. Nur da war irgendetwas... etwas was schwer fassbar war und sich noch nicht so richtig beschreiben ließ. Aerys wollte doch auch nicht nur... Sex von ihm. Sonst hätte er ihn schon längst gezwungen... Der Prinz wollte auch etwas anderes. Wieso steckte er ihn sonst in ein Brautkleid und arrangierte diese bizarre Zeremonie? Lilian wusste nicht, was genau Aerys in ihm suchte. Nur, dass Lilian regelmäßig nicht diesen Vorstellungen und Erwartungen entsprach und der Adelige dann zornig wurde...
Die Küchengehilfen schwärmten, dass nach dem heftigen Streit die Versöhnung umso schöner würde. Lilian war sich da nicht sicher. Er wollte sich versöhnen, aber wie lange würde das anhalten? Bis zu den nächsten Schlägen...
Der Jüngling wollte nichts darüber sagen, was Aerys schon intimes mit ihm gemacht hatte. Vor allem nicht, als Kastor dann hereinplatzte. Oh, hoffentlich hatte er nichts von dem Gespräch mitbekommen. Zum Glück interessierte sich der Blutige eher für das Essen. Nur wollte Lilian auf keinen Fall mit Kastor essen. Lieber blieb er bei Fergus und entfloh erstmal dieser unsicheren Situation.
Er schaffte es auch, mit Fergus schnell die Küche zu verlassen. Selbst wenn ihm der vertraute Arm um die Schulter etwas unangenehm war. Kastor grinste sie nochmal seltsam an, ließ sie aber unbehelligt ziehen. Lilian entwandt sich der halben Umarmung Fergus', um ihm rasch die Türe für das Tablett aufzuhalten und dann standen sie endlich auf dem Gang.
Erst da wurde dem Jungen so richtig bewusst, dass er nun zugestimmt hatte, bei dieser.. Pyjamaparty mitzumachen. Er hoffte, ihm würde ein Weg einfallen wie er nach dem Abendessen gehen konnte.
Fergus freute sich über die Begleitung und erklärte, wo Yukarin sich aufhielt. Er wäre beim Salon- und Schlafzimmer neben der Bibliothek.
"Schlafzimmer?", fragte Lilian zögerlich. "Ich weiß nicht, ob ich da übernachten sollte. Aerys wäre das bestimmt nicht recht", schob er den Adeligen vor, damit Fergus nicht vor den Kopf gestoßen wurde. Lilian wollte wirklich nicht mit ihm die Nacht bei Yukarin verbringen. Er hatte nur Kastor entfliehen wollen. Jetzt gruselte es den Jugendlichen vor der Pyjamaparty.
Ungelenk ging Lilian neben Fergus her, bemüht nicht ständig auf sein Kleid zu treten. Es war so einschränkend. Er würde mit Aerys darüber reden, dachte er grimmig. Er wollte dieses furchtbare Kleid nicht und es war ihm gerade egal, ob ihn der Adelige dafür heftig verprügeln würde. Es nur einmal vor seinen Augen in kleine Fetzen zerreißen...
Die grimmige Entschlossenheit hielt nur einen Funkenschlag lang an, dann überkam ihn wieder die Furcht vor dem Zorn des Prinzen. Lilian wusste nicht wie er Aerys wieder vertrauen konnte. Trotzdem wollte er mit ihm über den Streit reden. Ob er senden sollte? Er wagte es nicht.
Fergus bemerkte sein Schweigen, als sie nach unten gingen.
"Ich denk nur.. an Aerys und den Streit", gestand der Jüngling leise. Er konnte es einfach nicht aus dem Kopf bekommen. "Ich kann an nichts anderes denken", fügte er leicht gequält hinzu. "Du arbeitest doch oft in der Bibliothek oder, Fergus?", fragte er. "Gibt es da.. romantische Bücher? Welche ohne... erotisches.." Denn Aerys hatte verboten in Zukunft auch nur irgendetwas darüber zu lesen.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:07
von Fergus
"Meinst du?" hakte er betrübt nach, als Lilian meinte, dass es dem Meister sicher nicht recht wäre, wenn er hier in einem der Schlafzimmer übernachtete. "Das wäre aber schade. Zu dritt würde der Abend bestimmt viel schöner werden. Es ist ja nicht nur ein Schlafzimmer. Es ist so ein grosser Raum, wo weiter hinten ein grosses, gemütliches Bett steht. So gegen den Eingang zu ist so eine Art Salon eingerichtet. Mit gemütlichen Lesesesseln und Sofas vor dem Kamin. So kalt wie es draussen ist, prasselt darin jetzt ein gemütliches Feuer. Da können wir zu Abend essen. Hmmm, die Lasagne riecht so lecker. Ich weiss gar nicht, wie ich es noch bis dahin aushalten soll." Besonders, weil sie so langsam gehen mussten wegen Lilians langem Kleid.
Sie schien noch nicht sonderlich geübt zu sein, darin zu gehen. Der Saumkleid war aber auch extrem lang. Dafür sah es auch sehr gut und sehr feminin aus. Wie so eine verzauberte Lady aus den Märchen. Sie wirkte auch so melancholisch und schweigsam. Unvermittelt kam ihm in den Sinn, dass Lilian womöglich wirklich traurig war. Weil sie doch nichts mehr sagte. Heute Morgen beim Silberpolieren war sie gesprächiger gewesen. Vielleicht war sie ihm etwas böse, weil er sie dabei alleine gelassen hatte.
"Lilian?" fragte er behutsam. "Du bist so still." Lilian erklärte ihm, dass sie an den Meister denken musste und den Streit, an den sie gehabt hatte. Sie könnte sogar an nichts anderes denken. Fergus nickte verständnisvoll und mitfühlend. Das würde er auch nicht können, wenn der Meister böse auf ihn wäre.
"Oh, in der Bibliothek hat es alles an Bücher", nickte er eifrig. "Sogar Kunstbücher oder mit Naturwissenschaften darin. Solche ganz ohne Geschichten. Aber die sind mir zu langweilig. Ich mag am liebsten solche wie das von Prinz Sastre. Aber ja, es gibt auch romantische Geschichten ganz ohne Erotik. Am Besten fragst du nachher gleich Yukarin selbst. Der Meister hat ihm genau erklärt, welche Bücher gut für dich geeignet sind und Yukarin hat eine Liste für dich zusammen gestellt."
Schliesslich hatten sie die letzte Treppe und den letzten Gang geschafft und standen vor einer schönen Holztür in der Nähe der Bibliothek. Da Fergus beide Hände mit dem Tablett voll hatte, bat er Lilian anzuklopfen. Das war besser bei Yukarin. Es gehörte zur Höflichkeit, wie der Bibliothekar fand. Fergus wäre das egal gewesen, doch er machte Yukarin gern den Gefallen. Allerdings klopfte Lilian so leise an, dass Fergus schon befürchtete, der Bibliothekar würde sie nicht hören. Er überlegte schon, dem älteren Krieger zu senden, als die Tür langsam aufschwang und ein hochgewachsener, schlanker Mann mit langem, hellblonden, fast weissem Haar zu sehen war. Yukarin trug eine um die Hüfte eng geschnittene Anzugshos, ein Hemd und eine Weste, die seine athletische, schlanke Gestalt betonte in nuanciert verschiedenen blutrot Tönen.
"Guten Abend, Lilian", grüsste er seine Begleitung als erstes und verneigte sich so vor ihr, wie es ein Krieger vor einer Hexe tat. "Schön, dass du uns besuchen kommst und uns damit die Gelegenheit gibst, dich näher kennen zu lernen. Komm rein. Setz dich an den Kamin", wiess er sie ruhig und selbstbewusst an, während er gleichzeitig den perfekten Gastgeber gab. Fergus gaffte ihn mit offenem Mund bewundernd an, besann sich jedoch rasch, als er auch ein grüssendes Nicken bekam.
"Fergus, danke für das Abendessen. Du kannst das Tablett auf den Salontisch stellen und uns das Essen vor dem Kamin servieren. Wir werden da essen." Hastig klappte der jüngere Krieger seinen Mund zu, verneigte sich linkisch, zwinkerte Lilian verschmitzt zu und ging dann ungeniert in den gemütlichen Raum, um ihnen ihr Abendessen zu verteilen. So heiss und verführerisch Yukarin auch war, momentan lockte die Lasagne mehr.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:07
von Lilian
Fergus nickte verstehend, nachdem Lilian geklagt hatte, er müsse dauernd an Aerys und den Streit denken. Doch der Junge war sich nicht sicher, ob der Weißgekleidete tatsächlich verstand. Lilian begriff es ja selbst kaum. Er wollte nicht fortwährend an den Adeligen denken. Es war anstrengend, verwirrend und ließ ihn ganz komisch fühlen.
Im Versuch nur irgendetwas zu finden, das ihm Antworten geben könnte, fragte Lilian vorsichtig nach romantischen Büchern. Zum Glück fand es Fergus nicht peinlich, dass Lilian so etwas lesen wollte. Stattdessen begann der ältere Krieger gleich zu erzählen, was es alles gäbe. Er würde zwar am liebsten Bücher wie jene von Prinz Sastre mögen, doch es gäbe auch romantische Geschichten ohne Erotik. Ob Lilian die lesen durfte? Aerys hatte gesagt, dass man in den Büchern keine Antworten fand und es nur Fantasien wären, doch alles was Lilian bisher in der Villa erlebt hatte, kam ihm auch unwirklich und fremd vor. Es war eine bizarre, schreckliche Phantasie aus der der Jüngling nicht mehr entkommen konnte.
Vielleicht gaben die Bücher doch irgendeinen Rat. Fergus verpasste der Neugier des Jugendlichen leider gleich einen Dämpfer, als er sagte, dass Lilian Yukarin danach fragen sollte. Er sollte einen Blutigen nach Romantikbüchern fragen? Was würde der dann über Lilian denken?
Fergus verriet ihm zudem, dass der Bibliothekar eine Liste mit erlaubten Büchern aufgestellt hätte. Was da wohl drauf war? Und was hieß, welche Bücher gut geeignet für ihn wäre?
Während der Jüngling noch überlegte, ob er den Blutigen fragen sollte oder nicht, gingen sie weiter in Richtung Bibliothekar. Lilian kämpfte wieder imt seinem Kleid, aber schließlich hatten sie es geschafft und standen vor dem Salon. Prompt stieg Lilians Nervosität an. Wie war es jetzt dazu gekommen, dass er sich freiwillig zu einem Blutigen begab? Er musste unbedingt einen Weg finden nach dem Essen rasch zu verschwinden. Egal wie vollmundig Fergus ihm den Salon beschrieben hätte. Die Beschreibung erinnerte Lilian ein wenig an sein eigenes Zimmer, aber es stand außer Frage, dass er sich dorthin zurückschleichen könnte. Dazu hätte er Aerys' Gemächer durchqueren müssen und da würde der Adelige gewiss noch zorniger...
Fergus bat ihn anzuklopfen und Lilian kam dem nervös nach. Es war ein sehr zartes Klopfen. Leider wurde es trotzdem gehört und sie konnten nicht einfach wieder umdrehen. Ein großer, schlanker Mann öffnete die Türe. Ob er ein Glacier war? Denn er hatte glatte, schneeblonde Haare. Der Blutige trug einen roten Anzug. Lilian hatte den Bibliothekar beim Warten auf Darions Aufnahme nur kurz und aus der Ferne gesehen. Nun wo der Mann so direkt vor ihm stand, wurde Lilian sehr unsicher. Er wusste nicht wie er sich verhalten sollte. Unbeholfen hielt er sich den Arm, während der Blutige sich vor ihm verbeugte und ihn freundlich begrüßte.
"Guten Abend", erwiderte Lilian leise, aber er machte keinen Knicks. Aerys hatte ihm nur befohlen vor ihm zu knicksen. Wie er sich bei den Blutigen verhalten sollte, hatte er nicht gesagt. Da Fergus jedoch gesagt hatte, dass Yukarin sehr streng wäre, verneigte er sich kurz vor dem älteren Mann. Danach ging er rasch an ihm vorbei und zu der Sofagruppe vor dem Kamin. Es sah doch anders aus als bei ihm im Zimmer. Keine helle, cremefarbene Couch mit geschwungenen Lehnen, sondern dunkles Leder. Sein Blick huschte kurz ängstlich zu dem großen Bett, das weiter entfernt stand. Lilian musste unbedingt verhindern, dass er dort landete. Auf keinen Fall wollte er mit diesem Blutigen in einem Bett liegen.
Lilian setzte sich an den Rand des mittleren Sofas und sah zu wie Fergus das Tablett abstellte und dann Teller und Besteck verteilte.
"Danke schön", bedankte der Junge sich und griff nach einem Teller. Sie hatten zwar aufgrund Lilians kleinen Schritten länger hierhin gebraucht, doch das Essen war immer noch dampfend warm und roch auch sehr köstlich. Lilian hatte Hunger, aber keinen echten Appetit. So fiel es ihm nicht schwer auf die anderen zu warten.
"Bon Appetit", wünschte er ihnen höflich. "Ehm, danke, dass ich mit euch essen kann", fügte er rasch hinzu. Danach nahm er eher zögerlich einen Bissen.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:08
von Fergus
Für den Moment kam es ihm auch nicht in den Sinn unhöflich oder ungehorsam zu seiin. Anmutig verneigte er sich auch höflich vor Yukarin und trat dann brav ein, um wie angeweisen das Essen vor dem Kamin zu servieren. Yukarin hatte, in der zwischenzeit, wo Fergus weg gewesen war, den Raum gelüftet und nun ein Feuer im Kamin angezündet. Es war richtig gemütlich da und Fergus freute sich viel zu sehr, hier ganz alleine mit Yukarin und Lilian essen zu dürfen. Man sah es ihm an, denn er strahlte übers ganze Gesicht, wofür er von Yukarin kurz einen skeptischen Blick erntete, als er ihm seinen Teller rechte.
"Danke, Fergus", meinte der Bibliothekar höflich, aber auch mit einem leicht spöttischen Unterton. "Setz dich zu Lilian aufs Sofa, nachdem du uns eingeschenkt hast. Dann können wir beginnen." Fergus kam dem zu gerne nach und wünschte Lilian auch gleich einen guten Appetit, als diese ihnen das wünschte.
"Lasst es euch schmecken", erwiderte Yukarin, wobei er leicht verwundert wirkte, dass Lilian damit angefangen hatte. Wohl weil sie eigentlich nicht die Gastgeberin dieser kleinen Runde war und auch nicht in der Küche gestanden hatte, um die Lasagne zu backen. Yukarin nahm es sehr genau mit solchen Details. Doch glücklicherweise befand er nicht, dass er Lilian deswegen nun erziehen wollten sondern griff selber zur Gabel. Fergus seufzte innerlich erleichtert. Allmählich hatte er doch grossen Hunger. Nach dem Abendessen wollte er sich gerne wieder den Hintern versohlen lassen. Aber nicht jetzt.
"Schön, dass du dich dazu entschlossen hast, uns Gesellschaft zu leisten, Lilian", erwiderte Yukarin höflich und nickte Lilian noch einmal kurz zu. Der Bibliothekar hatte sich in einen der hohen Lehnsessel gesetzt und dominierte mit seiner Ausstrahlung den ganzen Raum. "Fergus hat mir schon viel von dir erzählt. Es ist schön, dich endlich direkt kennen lernen zu können. Wie ich mitbekommen habe, ist dein Aufenthalt in diesem Teil der Villa jedoch nicht so ganz freiwillig."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:12
von Lilian
Lilian begann zögerlich zu essen, nahm immer nur kleine Bissen. Der Appetit wollte sich leider nicht einstellen, doch er wusste, dass er etwas essen musste. Die furchtbaren Tage ohne Essen waren ihm weiterhin im Gedächtnis. Das wollte er nicht noch einmal erleben. Also aß er jetzt, da er nicht wusste, wann er wieder etwas bekommen würde.
Sie saßen schweigend beisammen, als Yukarin das Wort ergriff. Es wäre schön, dass Lilian sich dazu entschlossen hätte, ihnen Gesellschaft zu leisten. Der Junge nickte scheu. Er traute sich nicht zu sagen, dass er nur mitgekommen war, um vor Kastor zu fliehen und nicht in den Schlafsaal gehen zu müssen.
Aber er war nicht unbedingt darauf erpicht dem Bibliothekar Gesellschaft zu leisten. Der Blutige saß in dem großen, breiten Ledersessel und Lilian war ganz froh darum. Er hatte schon befürchtet, Yukarin würde sich zu ihm aufs Sofa sitzen. Zum Glück hatte er Fergus dorthin geschickt.
Yukarin fuhr fort, dass Fergus bereits viel über Lilian erzählt hätte. Er hatte? Der Jugendliche blickte Fergus fragend an. Und vor allem, was hatte Fergus erzählt? Dass Lilian ihn zum Weinen gebracht hatte? Hoffentlich war der Blutige deswegen nicht wütend. Das hatte Lilian nicht absichtlich gemacht. Vielmehr hatte Fergus sich selbst zum weinen gebracht, da er plötzlich geglaubt hatte, Aerys würde mit Lilian nach Dhemlan ziehen. Das war so ein absurder Gedanke... Aerys hätte sicher darüber gelacht...
Oder vielleicht auch nicht, dachte der Junge. Er kannte den Adeligen ja gar nicht richtig.
"Ja, es freut mich, euch.. dich kennenzulernen", erwiderte Lilian nervös, aber bemüht um Höflichkeit. Er wusste nicht wie er den Mann ansprechen sollte. Bisher hatte er nur erlebt wie sich die Männer untereinander dutzten, doch der Blutige wirkte so respekteinflößend, dass Lilian automatisch in die höfliche Anrede glitt.
Yukarin sprach ihn auf den unfreiwilligen Aufenthalt in diesem Teil der Villa an.
Der zarte Jüngling nickte betrübt. "Ja... Prinz Verden hat mich rausgeworfen", antwortete er. Dieses Mal benutzte er nicht den Vornamen, "Wir haben uns gestritten und er hat mich geschlagen.." Das wussten vermutlich schon alle. Mehr wollte Lilian dem blonden Mann aber nicht anvertrauen. Besonders nicht, was Aerys ihm alles angedroht hatte. Dass es keine Sonderbehandlungen und Ausnahmen mehr gäbe. Das sollte der Blutige besser nicht wissen. Lilian traute ihm nicht. Die Blutigen kamen ihm vor wie Raubtiere, die wartend um ihre Beute strichen. Wie konnten sich die anderen jemals im Anwesen wohl fühlen?
"Wir.. wir vertragen uns sicher bald", fügte der Jüngling hastig hinzu. "Ich möchte nochmal mit ihm reden und ihm alles erklären." Yukarin sollte nicht glauben, dass Lilian jetzt hier unten leben würde und man ihn anfassen konnte. Er strich sich das weiße Leinenkleid glatt und nahm noch einen Bissen von der Lasagne, tupfte sich danach die Lippen mit der Serviette ab.
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:13
von Fergus
Heisshungrig stürzte er sich auf sein Lasagnestück. Prompt verbrannte er sich dabei seine Zunge. Hastig hechelte er etwas, um seiner armen Zunge etwas Kühlung zu verschaffen, nahm sich dann aber rasch sein Limonadenglas, damit er dem Kühlen besser nachhelfen konnte. Dabei fing er Yukarins tadelnden Blick auf. Fergus grinste linkisch. Er konnte doch nichts dafür, dass Yukarin ihn so hungrig gemacht hatte heute Nachmittag. Er war eben nicht so ein kleiner Spatz wie Lilian, die nur kleine Bisse zu sich nahm. Und auch Yukarin hatte sich am Nachmittag wohl nicht so verausgabt, wie Lilian das getan hatte, sonst würde er sich auch nicht mit so kleinen Bissen begnügen.
"Du kannst mich duzen, Lilian", erklärte Yukarin Lilian knapp, da sie nicht so recht wissen zu schien, wie sie sich dem Blutigen gegenüber verhalten sollte. "Fergus hat mir erzählt, dass du das Geschenk des Meisters anders interpretiert hast, als es gedacht war", nickte Yukarin ruhig, nachdem Lilian traurig auf seine angedeutete Frage geantwortet hatte. Tröstend streichelte Fergus Lilian über den Arm. Allerdings nur kurz. Danach widmete er sich gleich wieder seiner Lasagne. Wie Lilian und Yukarin so gemütlich plaudern konnten, während etwas so leckeres vor ihnen auf den Tellern lag. Nun, ihm war es egal. Hauptsache er durfte weiter essen. Lilian hingegen fügte hastig hinzu, dass sie sich sicher bald wieder mit dem Meister vertragen würde. Sie wollte nochmals mit ihm sprechen und ihm alles erklären. Fergus nickte. Das war bestimmt eine gute Idee.
"Er wird dir sicherlich zu hören, sobald er nicht mehr wütend auf dich ist und deine Strafe als genügend betrachtet", stimmte auch Yukarin zu. "In der Zwischenzeit kannst du Fergus vielleicht beibringen, in eben so adretten Häppchen zu essen, wie du es tust und dass man das Essen nicht so in sich reinschaufelt."
"Aber ich habe Hunger", klagte Fergus gequält bei der Vorstellung, dass er nur ganz kleine Bisse zu sich nehmen durfte. Ertappt fühlte er sich keineswegs.
"Das ist noch lange kein Grund, sich wie ein Mähdrescher zu benehmen."
"Und das Essen ist so guuut", jammerte Fergus weiter, weil er es unfair fand, was Yukarin ihm da aufbürden wollte.
"Schmeckst du denn überhaupt noch etwas davon, nachdem du dir die Zunge verbrannt hast?" entgegnete er Bibliothekar schlagfertig und erwischte ihn damit prompt. Schmollend schob er seine Unterlippe vor und blickte Yukarin leidend an.
"Und du bist dir sicher, dass der Meister uns nicht verlässt, um mit Lilian nach Dhemlan zu ziehen?" lenkte er etwas weinerlich ab.
"Ja, Fergus, ich bin mir sicher", bestätigte Yukarin zu seiner Freude noch einmal. "Selbst wenn er tatsächlich nach Dhemlan zieht, weil es Lilian dort besser gefällt, würde er uns nicht einfach zurück lassen. Er würde uns mitnehmen. Schon nur weil er doch von irgend etwas leben muss. Dich könnte er zum Beispiel an genervte Väter vermieten, die ihren Söhnen eigentlich ordentlich einmal den Hintern versohlen wollen, es von den Müttern aber nicht erlaubt bekommen." Fergus musste lachen. Das klang nach einer lustigen Arbeit.
"Lilian wollte dich übrigens noch nach Liebesromanen fragen", kam es ihm in den Sinn. "Aber nur die langweiligen. Also die ganz ohne Sex oder ähnliches."
Re: Erster Unterricht
Verfasst: Mo 25. Jan 2021, 20:14
von Lilian
Yukarin bot ihm an, ihn ruhig zu dutzen und Lilian nickte ein wenig erleichtert. Der Blutige war dann vielleicht nicht ganz so respekteinflößend. Er offenbarte auch gleich, dass er scheinbar alles wusste, was Lilian Fergus erzählt hatte. Jedes Detail? Der Jugendliche hatte gedacht, es wäre eine vertrauliche Unterhaltung. Dass Fergus sofort alles dem Bibliothekar erzählt hatte, fühlte sich komisch an. Gab es im Anwesen keine Geheimnisse? Konnte Lilian auch nur irgendwem von seinen Schwierigkeiten mit Aerys beichten oder würde es sofort überall bekannt werden? Wenn der Adelige nun deswegen wütend wurde?
"Ja, das war vielleicht ein Missverständnis.. ich weiß es nicht..", erwiderte er kleinlaut. Der Blutige schien sich schon sehr sicher, dass Lilian da etwas falsch verstanden hätte. War der ganze Streit dann seine Schuld? Aber er hatte keine Schläge ausgeteilt... wenn es ein Missverständnis gewesen wäre, wieso hatte es der Prinz nicht aufgeklärt? Wieso hatte er zugehauen und ihn verstoßen? Das war nicht fair...
Der junge Krieger senkte den Kopf und starrte auf seinen Teller mit Lasagne. Mit der Gabel piekste er etwas vom Salat auf. Yukarin blieb ruhig und bemerkte, dass Aerys ihm zuhören würde sobald er nicht mehr wütend wäre und die Strafe als genügend betrachten würde. Da blickte Lilian nun doch auf, leichter Trotz in den rosafarbenen Augen.
Er fand, er hatte gar keine Strafe verdient. Für was? Dass er Aerys falsch verstanden hatte? Das.. das war alles die Schuld des Prinzen. Nur wagte Lilian nicht dies laut vor dem Blutigen auszusprechen. Dem gefiel gerade anscheinend, dass Lilian nur kleine Bissen zu sich nahm. Er könnte dies Fergus beibringen, der das Essen nur so in sich hineinschaufelte.
"Oh.. das wollte Aer.. Prinz Verden so", erklärte Lilian wieso er das so machte. Mittlerweile hatte der Jugendliche sich daran gewöhnt. Noch etwas, was Aerys bei ihm geändert und umerzogen hatte. Es gefiel Lilian nicht. Kurz hatte er den Drang, das Essen in sich hineinzustopfen, tat es dann aber doch nicht. Er nahm ja nur kleine Bisse, weil er keinen Appetit hatte. Nicht wegen Aerys' Erziehung.
Der Weißgekleidete beklagte sich inzwischen. Er hätte so viel Hunger und das Essen wäre so gut. Yukarin wurde darüber zum Glück nicht zornig. Er erkannte jedoch zielsicher, dass sich Fergus in seiner Gier bereits die Zunge verbrannt hätte. Lilian zog die schlanken Schultern angespannt an. Hoffentlich stritten die jetzt nicht. Er kannte es von Aerys, dass so etwas schnell eskalieren konnte.
Fergus schaffte es noch abzulenken. Leider ausgerechnet damit, dass er wieder glaubte, der Meister würde mit Lilian nach Dhemlan ziehen.
"Das hat er nie gesagt. Das würde er bestimmt nie tun", wandte Lilian ein. Er hatte diese Gedanken nicht in Fergus eingepflanzt. Das war der Krieger selber gewesen. Der Bibliothekar beruhigte Fergus nochmals. Allerdings redete er dabei so, als wäre es nicht unwahrscheinlich, dass Aerys seinen gesamten Sitz nach Dhemlan verlegen würde, falls es Lilian dort besser gefiel. Yukarin spekulierte, dass der Meister dann alle Kunstwerke mitnehmen würde, da er ja mit ihnen Geld verdiente.
Lilian sah ihn ungläubig und aus großen Augen an.
"Ich glaub nicht, dass er so etwas macht...", wandte er leise ein. Wie kamen die denn alle darauf? Wussten sie mehr darüber wie gern Aerys ihn hatte? Als ob der Adelige eine neue Villa in Dhemlan kaufen würde, damit Lilian in Dhemlan leben konnte. Nein, bestimmt nicht. Oder? Ach, jetzt machten die beiden ihn auch schon verrückt. Aber was wusste Lilian schon, was Aerys vorhatte oder wollte? Er kannte den Mann gar nicht richtig. Er hatte sich in allem so getäuscht. Er schlug einfach zu und es gab nichts was Lilian dagegen machen konnte.
"Lilian wollte dich übrigens noch nach Liebesromanen fragen", plauderte Fergus freimütig noch mehr aus. Er präzisierte sogar, dass dort kein Sex vorkommen würde. Lilian hustete und wurde knallrot.
"W-was? Ehm... ich meinte nur... ich...", stammelte er verlegen. Unmöglich konnte er sagen wieso er Liebesromane lesen wollte. Der Blutige würde ihn auslachen. Und es womöglich gleich Aerys sagen.
"Ich.. wollte nur was lesen... und es darf ja.. keine Erotik vorkommen", nuschelte er. Lilian zupfte unruhig an seinem Kleid. "Prinz Verden hat gesagt, ich bin noch zu jung dafür." Lilian zögerte länger.
"Gibt es Geschichten, wo... zwei Männer das Pärchen sind?", konnte er seine Neugier nicht länger zurückhalten.